Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 33/2018

Albumcover

Ben Khan
Ben Khan

Heutzutage tun Künstler*innen alles dafür, ihren Platz im Rampenlicht zu behalten. Neues Material muss wie am Fließband produziert werden, und wenn es das gerade nicht gibt, kämpft man auch mal bei einem Twitterstreit um Relevanz (man denke etwa an Katy Perry und Taylor Swift). Denn der Musikmarkt ist so gesättigt, dass man leicht in Vergessenheit gerät.

Ben Khan scheint dieses Problem nicht wirklich zu kümmern. Nach einigen EPs, von denen die letzte 2015 erschien, wurde er schon als nächstes großes Ding gefeiert. Doch dann verschwand er einfach von der Bildfläche. Jetzt ist er mit seinem selbstbetitelten Debütalbum zurück, von dem viele bezweifelten, dass es überhaupt je erscheinen würde. Das Sich-In-Luft-Auflösen war aber durchaus geplant, denn Ben Khan fühlte sich musikalisch in eine Ecke gedrängt, die ihm nicht gefiel. “I wasn’t really feeling the direction it was headed in, so I just stopped and kind of restarted […] it just felt a bit like I was getting pulled in a direction rather than deciding to go somewhere”, erzählte er dem Dork Magazine. Stattdessen besann er sich bei seinem Vater in Indien lieber darauf, wie seine Musik wirklich klingen soll.

Herausgekommen ist dabei ein Album, dass sich anhört, als hätte man 90s-R'n'B vor dem Hintergrund von Blade Runner neu aufgelegt. Kein Wunder, denn Ben Khan hat zur Inspiration den Film ständig ohne Ton nebenherlaufen lassen. Bestes Beispiel für den Space-Sound sind Songs wie 2000 Angels. In einem wabernden, sich steigernden Synthesizer-Beat webt sich Khans Stimme, die Vergleiche mit James Blake aufkommen lässt. Die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft wird auch im weiteren Verlauf des Albums vorgesetzt, etwa bei Do It Right mit seinem futuristischen Funk-Einschlag.

Ben Khan fällt es jedoch schwer, auf seinem Debütalbum konstant die Balance zwischen gekonnt dosierten Effekten und Reizüberflutung zu halten. Monsoon Daydream wirkt am Anfang wie ein Meisterwerk, überfordert den Hörer/ die Hörerin aber spätestens nach der Hälfte. Während Love Faded erklingt die ganze Zeit ein hoher Ton, der einem nach einer Weile leicht auf die Nerven geht. Am besten funktionieren seine Songs aber, wenn sie reduzierter sind und sich mehr auf Ben Khans Gesang konzentrieren. Das merkt man etwa bei Warriors Dream oder Ruby, dem Highlight des Albums. Beide kommen eher langsamer und ruhiger daher, steigern sich aber bis zum Ende immer weiter und entwickeln gerade durch ihren minimalistischeren Aufbau eine musikalische Sogkraft, die ihresgleichen sucht.  

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

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p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 14.0px Helvetica}Jacqueline Winkler, CampusFM

Anspieltipps

  • Mo: Warriors Rose #15
  • Di: 2000 Angels #1
  • Mi: Do It Right #2
  • Do: atw (against the wall) #5
  • Fr: Ruby #4

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