Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 10/2014

Cover: Beck - Morning Phase

Beck
Morning Phase

Die Erwartungen bestätigen sich: "Morning Phase" von Beck hat definitiv große Parallelen zu dessen 2002-er Meisterwerk in Sachen Melancholiker-Pop, "Sea Change". Der klassische Songwriter-Stil hat die experimentellen Facetten des Chamäleons erfolgreich verdeckt. Kaum zu glauben, dass es derselbe Interpret ist, der damals noch Sympathie für die New Yorker Antifolk-Szene hegte und zu Beginn der 90-er dem Grunge zugeordnet wurde. Noch der Vorgänger "Modern Guilt" bediente sich der Hilfe von Danger Mouse, ebenfalls bekannt für Genre-Ignoranz.

 
"Morning Phase" arbeitet sich nicht mehr an Sprechgesang oder Alternativrock ab, bietet kein großes Variationspotential mehr, wie es beispielsweise auf "Guero" oder auch "The Information" noch zu finden war. Stattdessen: orchestrale Besetzung in Form von Streichern, einsamen Akkustikgitarren und ein wenig Hall. So beginnt das mittlerweile zwölfte Studioalbum mit "Morning" nach Streicher-Auftakt im Intro auffallend ähnlich, wie es eben "Sea Change" mit der Nummer "The Golden Age" tat. Verträumt, warm und schüchtern sehnsüchtig.
 
Beck orientiert sich am eleganten Songwriter-Gerüst: der Multiinstrumentalist greift zu Piano, gedämpftem Schlagzeug und eben seiner altbewährten Klampfe. Vielleicht liegt es daran, dass Beck Scientologe ist. Auch die Songs streben eine makellose Vollkommenheit an, wollen perfekte Kompositionen sein. Albernheiten sucht man vergeblich, von 8-bit Musik, wie sie etwa die Basis auf "Guero" bildete, keine Spur. Stattdessen bietet ein stimmlich stets souveräner Beck elf glanzpolierte Stücke (zwei kurze Streicher-Interludes ausgenommen). Mal episch minimalistisch wie auf "Wave" (jetzt wird klar, was den momentan so gehypten Woodkid inspiriert haben könnte),dann wiederum etwas zackiger wie die aktuelle Single "Blue Moon" (dient als Beleg für die Direktheit der Lyrics: "I am so tiredofbeingalone")  oder mal leicht (gelungen unpeinlich) countryesk mit Mundharmonika angehaucht in "Country Down", das ebenso Conor Oberst gut stehen könnte. Auch wenn man Beck mit seiner Produktionserfahrung nicht abnimmt, Songs an einem einzigen Tag fertig stellen zu wollen: es wird plausibel, warum Beck Sympathie für die klassischen, überschaubareren Produktionsweisen hat, wie sie noch Bands wie die Kinks oder Beatles verfolgen konnten.
 
Abgerundet wird der Ohrenschmaus durch "Waking Light", einer der Höhepunkte des Albums. "When the morning comes to meet you, lay me down in waking light", singt Beck gefühlvoll, aber gekonnt unaufdringlich. Genau hier liegt die Stärke des Albums, dem man lediglich vorwerfen kann, dass es ab und an ein wenig monoton wirkt und sich phasenweise zu sehr – auch wenn es insgesamt heller und optimistischer klingt – an dem "Sea Change"-Muster orientiert. Doch das stört die Ohren letzten Endes kaum. Aber ganz ehrlich: wie könnte es auch? (Philipp Kressmann, CT das radio)
 
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Anspieltipps

Blue Moon, #5
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Morning, #2
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Wave, #7
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Heart Is A Drum, #3
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Waking Light, #13
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