Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 23/2013

Albumcover

Baths
Obsidian

Will Wiesenfelds Baths-Debüt wagte sich 2010 in tiefste Tiefen. Nicht nur die Taschentuchindustrie war höchst erfreut über dieses sensibel einnehmende Electronikawerk; auch die Musikpresse zeigte sich berührt. Auch der Nachfolger "Osidian" versammelt zehn melancholische Kompositionen, die aber nicht nur in den Abgrund schielen, sondern sich auch in höchste Höhen wagen.

Die Stücke auf "Obsidian" schweben weder in einem schwerelosen Euphoriehimmel, noch befinden sie sich zusammengekrümt und resigniert auf dem Boden. "I am elsewhere" jauchzt Wiesenfeld auf dem feinfühligen "Incompatible", das pluckert und eine minimalistische Klaviermelodie integriert. Chillwave, mit dem man Baths seit 2010 mancherorts gerne bestempelt,  ist das nicht. Nicht nur wegen der teils stimmlich apathisch vorgetragenen, depressiven Tendenzen der Texte:  "And I never see your face, but I just might be okay, because I have no eyes, I have no love, I have no hope" bekundet der mittlerweile 24-jährige beispielsweise im feinfühligem "No eyes." 

Auch musikalisch evozieren die Stücke eine Gebrochenheit, die es paradoxerweise dennoch schafft, eine sehr eigene Harmonie zu wahren. "No past lives" dient in dieser Hinsicht als Musterbeispiel: Die hypnotischen Effektschablonen nehmen den Hörer ein, werden jedoch stringent durch eine kurze Pianosequenz unterbrochen. "Miasma Sky" ist leicht zerfranster Elektropop mit 8-bit Klang, über den sich die weiche Stimme Wiesenfelds ausbreitet. 

In "Earth Death" führt Wiesenfeld dann doch die Gitarre ein. Die dröhnt leicht verdeckt im Noise-Gewand, während er seinen geloopten Gesang und Hall-Effekte über dieses unbehagliche Gebilde streckt. "Inter" ist dann wiederum am meisten das, was als Oberbegriff verworfen wurde. Ein eben "chilliger" Ambientsound, der mit Akkustikgitarre und ohne Lyrics ein insgesamt stilsicher kompaktes Album beendet, das den Hörer sowohl zu entwaffnen als auch zu entzücken weiß. (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

Miasma Sky, #2
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Ossuary, #4

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No Eyes, #6
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No Past Lives, #8
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Ironworks, #3
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