Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 21/2011

Albumcover

Barbara Panther
Barbara Panther

Zwischen Kriegen, Umweltkatastrophen, Kapitalismus, Diktaturen und Alltagsstress erscheint es nicht gerade ungewöhnlich, die Welt und ihre vielen Probleme zu verfluchen. Man kann es nicht leugnen: unsere Welt ist voll von Unverhältnismäßigkeiten aller Art. Tagtäglich ist es brisant, hochpolitisch, abgründig, attackierend und rasant. Leider alles andere als eine "heile Welt". Kein Wunder, dass man da selbst am Limit ist und eskalieren möchte.

Zwischen einer solchen Explosion und dem Ausbruch aus dieser Welt befindet sich das Album von Barbara Panther. Es ist eine Erscheinung, eine Flucht in eine andere Sphäre und ein Rausch. Das selbstbetitelte Album ist von elektronischer Verzerrung und dynamischer Expressivität geprägt. “Barbara Panther” ist von oben bis unten durchtränkt mit Besonderheiten. So startet der Opener „Rise Up“ mit einem Rap, der durch seine latente Aggressivität und Überbetonung starke Björk-Assoziationen hervorruft. Sämtliche Klangspektren durchlebt Panthers hypnotisierende Stimme, erinnert an Róisín Murphy, die extravagante Gestalt von Grace Jones und, zweifelsohne, immer wieder an Björk. Doch trotz signifikanter Parallelen zur Isländerin, ist Barbara Panther kein schlichter Abklatsch, sondern auf eigene Weise spannend und vor allem aber kunstvoll.
 
Es dröhnen sowohl heftig pumpende Bässe, Elektro-Synthie-Beats als auch alle anderen erdenklichen Sound-Schnipsel durch das Album. Die Elektronik, die alles untermalt, wird begleitet von Rhythmen, die sich von langsam und bedächtig („Wizzard”) bis zu treibend und hektisch („A Last Dance”) ziehen. Erstaunlich sind die vielen mysteriösen, angsteinflößenden Momente, die durch diese Elektro-Sounds geschaffen werden. Stücke wie „Empire“ lassen den Traum, in den man durch dieses Album verfällt, in eine Art Fiebertraum abdriften, bleiben aber trotzdem im Kern magisch.
 
Desweiteren bestimmen die großen Popmomente – zum Beispiel in den Refrains von „Unchained“ und „Dizzy“ – die Atmosphäre von Barbara Panthers erster Langspielplatte, indem sie mit der dichten Düsterkeit brechen und dafür sorgen, dass man aus dem Traum zurück in die Realität findet. Barbara verrätselt, traut sich, kreischt („Voodoo“); sie spielt mit allen Möglichkeiten und vor allem mit mit einer breiten Stilpalette, und auch da macht sie es Björk gleich: Elektronik, Trip-Hop und Pop stechen hervor, aber anderes ist auch möglich im Reich der Vielfalt. Barbara Panther, in Ruanda geboren, in Brüssel aufgewachsen und mittlerweile seit vier Jahren in Berlin lebend, ist durch viele Kulturen inspiriert, wie in „Ride To Horse“ deutlich hörbar ist. Und so platzt das Album beinahe vor spielerischen Elementen, düsterer Metaphorik und politischem Einwand auseinander; die Songs sind dabei aber keine Einzelgänger, sondern funktionieren nur gesellig im Gesamtkosmos . So ist “Barbara Panther“ nicht für ein Nebenbei konzipiert, sie ist vergleichbar mit einem schweren Wein, der erst mit dem richtigen Essen und der passenden Situation Sinn ergibt. Von leichter Zugänglichkeit ist hier keine Rede und genau das macht dieses Album einzigartig – es ist eben eine andere Welt, die ein Abbild der unseren sein könnte. Endlich bekommt Björk, Koryphäe in ihrem eigenen Musikstil, eine wahre Konkurrenz. (Katharina Lange, RadioQ)
 
VÖ: 27.05.2011
 
Links: Künstlerin | Label | Facebook

 

Anspieltipps

Rise Up, #1
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Dizzy, #9
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Moonlight People , #2
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Wizzard, #5
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O'Captain, #8
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