Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 43/2006

Albumcover

Badly Drawn Boy
Born In The UK

Auf diesen Herrn ist Verlass. In schöner Regelmäßigkeit, so alle 1 bis 2 Jahre, erfreut uns ein kleiner Mann aus Manchester mit zeitloser und anrührend schöner Musik. Ein Mann, ein Wort, eine Strickmütze: Badly Drawn Boy ist wieder da.

Auch wenn es sich hier vielleicht so anhören mag – eine einfache Geburt war „Born In The U.K.“, das mittlerweile fünfte Album von Damon Goughs, dann doch nicht. Reichlich mühsam gestaltete sich das Songwriting, gute Ideen waren Mangelware, die Schreibblockade hingegen allgegenwärtig. Und das, wo doch gerade der Vertrag beim neuen Arbeitgeber, dem Majorriesen EMI unterschrieben war. „Ich hab mich selbst wohl zu sehr unter Druck gesetzt“, meint der Sänger und übrigens mehrfache Familienvater selbst dazu. Es folgte die Konsequenz, fünf Wochen Studioarbeit sprichwörtlich in die Mülltonne zu werfen, sich schweren Herzens von Produzent Stephen Street (Blur, Kaiser Chiefs) zu trennen - und bei Null anzufangen. Eine schwere Entscheidung, die aber im Rückblick wohl die richtige war. Denn schließlich ist „Born In The U.K.“ dabei herausgekommen; ein Ergebnis, das nicht nur den Künstler, sondern auch seine Fans mehr als nur zufrieden stellen dürfte. Unter der viel zitierten Wollmütze arbeitet und rumort es immer noch heftig. Badly Drawn Boy ist noch längst nicht fertig damit, die Welt mit seinen liebevollen und manchmal bittersüßen Weisheiten zu verzaubern.

„We Made Something Out Of Nothing“ heißt es da im Titeltrack, und schon sind wir wieder mittendrin. Im verschrobenen Humor, in der charmanten Ironie. Und um das Szenario perfekt zu machen, kriegt „Born In The U.K.“ auch noch ein Sample von „Land of Hope and Glory“, der englischen Nationalhymne, verpasst. Hand auf´s Herz: that´s gorgeous!
Überhaupt finden sich einige hymnische und ziemlich orchestrale Songs auf diesem Album – allen vorweg „Welcome To The Overground“ oder auch die Singleauskopplung „Nothing´s Gonna Change Your Mind“. Besonders die erste Hälfte der Platte strotzt vor großen Melodien und mitreißender Instrumentalisierung. Ab „Promises“ aber, einer zerbrechlich beginnenden und immer kraftvoller werdenden Pianoballade, geht´s dann eher ruhig zu im United Kingdom. Man muss schon genauer hinhören, um Songs wie das wunderschön nachdenkliche „Without A Kiss“ oder „One Last Dance“ nicht als Hintergrundmusik untergehen zu lassen. Aber genau das hat sich ja bekanntlich bei diesem Herrn schon immer gelohnt, was allein Zeilen wie “You´re Are My Woman, I´m Your Man / And If We Still Don´t Have A Plan / We´ll Listen To Thunder Road” beweisen.

Das Karussel dreht weiter seine Runden. Unaufhaltsam. Mit Badly Drawn Boy an Bord aber lässt es sich zwischendurch innehalten, aussteigen, zurücklehnen… oder einfach mal breit grinsen. Und, mal ehrlich - das macht die Fahrt um einiges erträglicher. (Christa Herdering, hochschulradio düsseldorf)

VÖ: 20. Oktober 2006

Künstler: http://www.badlydrawnboy.co.uk | Label: http://www.capitolmusic.de

Anspieltipps

  • 06, Nothing´s Gonna Change Your Mind
  • 02, Born In The U.K
  • 04, Welcome To The Overground
  • 07, Promises
  • 03, Degrees Of Separation

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