Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 02/2002

Albumcover

Bad Religion
The Process Of Believe

Bad Religion, in Los Angeles/Kalifornien gegründet, ist mittlerweile die festeste und produktivste Konstante, wenn es darum geht, Punkrock-Alben mit Substanz zu veröffentlichen. Die Band, zu deren festen Säulen immer noch Greg Graffin (Gesang), Jay Bentley (Bass), Greg Hetson (Gitarre), Bobby Schayer (Schlagzeug) und Brian Baker (Gitarre) zählen, wirkt auch nach mehreren Jahren im Business alles andere als müde und produziert fleißig weiter.

Ihr neues Werk „The Process Of Believe“ gibt zumindest die Texte eine Reihe von frischen Ideen Preis. Und das sind kleine, mal aber auch etwas größere Wahrheiten. Hauptsongwriter Graffin stellt sich gegen bestehende Vorurteile und macht auf menschliche und politische Ungereimtheiten aufmerksam. Daher kann man eigentlich nicht behaupten, dass Bad Religion stagniert. Denn die Band nimmt das gegenwärtige Weltgeschehen sehr genau wahr, kritisiert gesellschaftliche und polititsche Zustände und greift Alltagsprobleme auf. Bad Religion hat immer Fragen gestellt, wachgerüttelt, aufgeschrieen. Die Fünf haben keine Angst vor dem Fortschritt, sie nutzen ihn.

Wenn man sagt, dass „The Process Of Believe“ musikalisch nicht viel Neues bietet ist das keinesfalls als negative Kritik zu verstehen. Warum sollten Griffin und Co. an ihrem Stil herumexperimentieren, wenn er doch so erfolgreich und gut ist. „The Process Of Believe“ ist Punk, wie Punk sein sollte: Keine langen Vorspiele, keine langsamen Passagen, kaum Tempowechsel. Erst ab der Mitte des Albums (Track 8: „Sorrow“) nimmt sich mit Religion etwas mehr Zeit für Gitarrenspiel auch ohne Gesang. Dazu kommt eine Masse an Text, in der Regel schnell gesungen, aber mit den typischen Bad Religion Refrains: melodisch und eindringlich.

Dabei muss auch der geübte Bad Religion-Hörer die 14 Tracks schon einige Male durchhören, um sie auseinander halten zu können. Davon unabhängig ist die Wirkung: Wenn man auch beim ersten Hören vom Text wohl nicht allzu viel verstehen dürfte, macht die Musik gute Laune. „The Process Of Believe“ ist keine „Gute-Nacht-CD“ für romantische Stunden zu Zweit. Die Scheibe sorgt für volle Tanzflächen und ein Lächeln in den Gesichtern der Hörer. Und genau das soll Punk doch auch erreichen, oder?

Also kurzum: „The Process Of Believe“ ist kein weiterer Quantensprung für Bad Religion und wird die Fans der Band auch nicht mit Experimenten schocken.

(Text: Thorsten Giersch, elDOradio 93.0)

LABEL: www.epitaph.com

HOMEPAGE: www.badreligion.com

Anspieltipps

  • Mo: Track 1: „Supersonic“
  • Die: Track 4: „Broken”
  • Mi: Track 7: “Kyoto Now”
  • Do: Track 8: “Sorrow”
  • Fr: Track 9: “Epiphany”

Hier könnt Ihr Bad Religion: The Process Of Believe - Silberling der Woche 02/2002 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar