Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 47/2005

Albumcover

Babyshambles
Down In Albion

Pete Doherty? Ist das nicht dieser hässliche Junkie-Freund von Kate Moss?
Wenn in den letzten Wochen über den Frontmann von Babyshambles berichtet wurde, hatte das oft wenig mit Musik zu tun. Sondern eben mit Kate Moss, Drogen oder Kate Moss mit Drogen. Der Musikfan natürlich hat die Yellow Press-Schlagzeilen nur mit einem müden Lächeln gewürdigt und eine der beiden legendären Libertines-Platten aufgelegt, der Ex-Band Dohertys. Doch auch bei seiner Musik kommt man um das Supermodel und vor allem die Sucht nicht herum.

Schon gleich der erste Song des Debütalbums mit dem sprechenden Titel „La Belle et La Bête" handelt von Drogen und, ja, Kate Moss. Diese singt, mit schwachem Stimmchen und nicht unbedingt zu jedermanns Freude. Doherty erzählt dazu die „Story O A Coked-up Pansy / Who Spends His Nights In Flights Of Fancy“, also wohl die seine.

Dohertys Geschichte ist auch das Konzept des ganzen Albums: Ehrlich und ironisch, teilweise selbstkritisch, kommentiert er die Skandale und Gerüchte um seine Person. In „What Katie Did Next“, natürlich eine Reminiszenz an das Stück des zweiten Libertines-Albums „What Katie Did“, zweifelt er seine Lernfähigkeit an und erkennt, dass sich verbrennt, wer mit Feuer spielt.
Dies geschieht, glücklicherweise, in gewohnter Libertines-Manier, krachend, schmutzig, unfertig, und dabei trotzdem wundersam melodisch.

Besonders das schon vorab im letzten Jahr als Single veröffentlichte „Killamangiro“ und der Track „Pipedown“ rocken mit gebrochener Stimme und gebrochenem Beat. Doherty lallt ab und zu eher, als dass er singt, die Gitarren hören sich etwas ungestimmt an, auch die Drums scheinen manchmal ihren Einsatz zu verpassen. Rock´n´Roll, Baby!

Das einzige ruhige Stück der Platte ist „Albion“, eine Hymne an England (Albion ist der keltische Name für Großbritannien) mit kritischem Unterton. Nach einem schrägen Anfang mit verzerrter Gitarre und etwas, das sich wie Schläge auf Holz anhört, bekommt man eine Gänsehaut von Dohertys wunderschöner Stimme und den ebenso schönen Gitarrenklängen.

Aus dem Rahmen fällt auch „Pentonville“, ein Ausflug in, man glaubt es kaum, Raggamuffin-Regionen. Dohertys Stimme ist nicht wiederzuerkennen, aus dem eingefleischten Briten wird ein waschechter Jamaikaner. Was zunächst vollkommen daneben und unverständlich wirkt, wird klarer, wenn man weiß, dass „Pentonville“ der Name des Gefängnisses ist, in dem Doherty einige Zeit verbringen musste. Zusammen mit dem Rapper „The General“, der ihn bei dem Song unterstützt und der das Milchgesicht Doherty wohl vor den bösen Buben beschützt hat.

Alles in allem ist das Babyshambles-Album so ziemlich das, was man erwartet hat: Ein wie immer genialer Songwriter und Sänger Pete Doherty mit einem Album, das wie nahtlos an die beiden Libertines-Alben anschließt. Und doch: Kein Track des Albums erreicht „What Became Of The Likely Lads“ oder „Music When The Lights Go Out“. Die Zeit überdauern wird wahrscheinlich eher das zweite, selbstbetitelte Libertines-Album als das Debütalbum von Babyshambles. Andererseits, vielleicht überrascht uns der ewige Junkie ja mit einem großen zweiten Album! (Julia Globig, Radio Q)

Künstler: www.babyshambles.net | Label: www.roughtraderecords.com

Anspieltipps

  • Albion, #12
  • La Belle Et La Bête, #1
  • Pipedown, #5
  • Pentonville, #10
  • Killamangiro, #7

Hier könnt Ihr Babyshambles: Down In Albion - Silberling der Woche 47/2005 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar