Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 14/2014

Cover: Avey Tare's Slasher Flicks - Enter The Slasher House

Avey Tare's Slasher Flicks
Enter The Slasher House

Vor allem mit ihrem letzten Album wollten Animal Collective alles. "Centipede Hz" dekonstruierte jeden roten Faden und übte sich in überkomplexen Verfrachtungen. Für die einen der musikalische Geniestreich, für die anderen ganz einfach nur nervtötendes Geduddel und die falsche Interpretation von Psychedelic. Avey Tare, einer der Kapitäne auf dem Chaos-Schiff der Freak-Folk-Kommune betreibt mit seinem neuen Bandprojekt "Slasher Flicks" nun zumindest ein wenig Reduktion. Von einem Paradigmenwechsel mag man aber trotzdem nicht sprechen. Denn gebrochen wird mit der konventionellen Hörerwartung immer noch oft genug.

 
Während sein Animal-Collective-Kollege Panda Bear als inspirierend geltenden Substanzen musikalisch huldigt und sich mit einem Gesangsauftritt auf Daft Punks letztem Album auch von seiner unmittelbar poppigen Seite präsentierte, fokussiert Avey Tare sich wieder auf die ganz natürliche Instrumentierung, setzt auf den eher handgemachten Klang. Gemeinsam mit Angel Deradorian von den Dirty Projectors und Jeremy Hunter von Dan Deacon ging es nämlich vor allem darum, den Aufnahmeraum selbst hörbar zu inszenieren. Dafür orientierte sich Avey an dem Rock & Roll aus den Sixties. Aufgenommen wurde gezielt mit nur wenigen Mikrophonen (teilweise soll es nur eins gewesen sein), um nicht zu clean zu klingen. Zudem gewinnen die Stücke auch dadurch mehr an Struktur, dass Avey die Song-Basis auf Gitarre vorkomponierte.
 
Dadurch ist "Enter The Slasher House" schon im Ansatz überschaubarer als die unfesten Animal-Collective-Konturen angelegt. Der überraschend smoothen Vorab-Single "Little Fang" (tatsächlich könnte man mitwippen - wer hätte das gedacht?) mit ihrem Hang zum Lo-Fi merkt man die Orientierung an der Sixties-Stilistik an und selbst druckvoll progressiver Powerpop wie "Strange Colores" ist von einem repetitiven Unterbau (was wohl an Aveys Vorliebe für den Jazz liegen könnte) durchsetzt. Auch beim polyrhythmischen "Duplex Trip" kommt man noch gut mit, dennoch sind die Arrangements organisch geraten; den Songideen werden hier im Gegensatz zu Animal Collective (im wahrsten Sinne des Wortes)  eben nur mehr Raum zur Entfaltung gestattet. Ein wenig gefoltert wird man lediglich bei "That It Won´t Grow", das sich wirklich sehr zäh präsentiert. 
 
Ganz auf Effekte hat Avey aber nicht verzichten können: seine Stimme jagt er oftmals durch vermeintliche Helium-Maschinen und Vocoder, um dann im Refrain wieder in infantiler Quäkerei zu versinken: "Catchy (was Contagious)" dient da als Paradebeispiel. Stimmlich ist Avey insgesamt jedoch weniger präsent als noch auf "Centipede Hz". Auch wegen der feminimen Backing-Vocals wirkt das Trio (für die Background-Verhältnisse) ein wenig reserviert. Diesen Eindruck können selbst exzessive Ausbrüche, eigenwillige Psychedelic-Klangfetzen, wilde Tribal-Drums und grobkörnige Synthies (wunderbar in "The Outlaw") nicht tilgen. 
 
Harmonisch beswingte Momente mit groovig unterfüttertem Bass bietet auch "Roses On The Window". Das muss dann eben gar kein überfordernder Anti-Pop sein, dem sich Animal Collective eigentlich immer verschrieben haben. Doch auch wenn "Enter The Slasher House" mit weniger Komplexität aufgeladen ist, bietet es noch genug Material, an dem man sich stoßen kann. Was Avey ganz sicher als Kompliment auffassen dürfte. (Philipp Kressmann, CT das radio)

Anspieltipps

Little Fang, #4
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Strange Colores, #10
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Modern Days E, #9
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Catchy (Was Contagious), #5
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Duplex Trip, #2
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