Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 31/2017

Albumcover

Avey Tare
Eucalyptus

Wie für einen Koala im Eukalyptus-Delirium verschwimmen Formen und Linien auf Avey Tares neuem Album. Nach Enter The Slasher House von 2014 ist Eucalyptus das zweite Album des Animal-Collective-Mitglieds, dessen psychedelischer Folk an die frühen Alben seiner Band anzuknüpfen scheint.

Avey Tare a.k.a. David Porter hat die Platte mit seinem Bandkollegen Josh Dibb aufgenommen, daher ist die klangästhetische und atmosphärische Nähe zu Animal Collective nicht überraschend. Schüchterne Gitarrenakkorde, nur ein Hauch von Musik. Season High und Melody Unfair bereiten einen Einstieg, der nicht nur schwer greifbar scheint, sondern auch angenehm nach Unschlüssigkeit und nicht enden wollendem Warten klingt. Hier die wie zufällig eingestreuten Sounds aus Synthesizer oder Sitar, dort der schwebende Gesang, der im musikalischen Gesamtbild und durch das Zusammenspiel mit den Streichern deutlich an den frühen Patrick Wolf erinnert.

Erst mit Ms. Secret schält sich so etwas wie eine Songstruktur aus dem Klanggemisch. Wieder ist die Akustikgutarre bestimmendes Instrument, unterstützt wird sie von diversem Beiwerk. "You gotta stay up till the sunrise", singt Avey Tare und vemutlich ist ihm selbst nicht ganz klar, ob es wirklich der Sonnenaufgang ist oder nicht schon wieder der Sonnenuntergang. Auf der Insel namens Eucalyptus verfließen die Linien, Kirchenglocken schallen verzerrt durch die pastelfarbenen Palmenblätter - LSD lässt grüßen. Lunch Out Of Order nennt Tare das und die Stimmung im Sound trifft das ganz gut. Salvador Dalí hätte an diesem Mittagessen seine helle Freude.

Mitunter strapazieren die Klangausflüge von Porter und Dibb die Ohren reichlich (DR aw one for JBoar Race), dann wieder klingt Avey Tare wie Elliott Smith auf seinem ersten Trip (JP). Auch ein Exkurs in die Geschichte der Coral Lords, den "ersten Zeitnehmern der Welt", wird nicht ausgespart. Dieses Musik gewordene Korallenriff erstreckt sich über ganze acht Minuten, Zeit ist auf Eucalyptus nicht die Frage. Und so endet das Album dann auch wie es begonnen hat. Sports In July und When You Left Me entschleunigen abermals, die Sonne ist wahlweise schon unter- oder bereits aufgegangen und am Horizont blitzt ein letzter Rest Struktur vorbei. Wer mit einer bis drei Bewusstseinsebenen nicht ausreichend bedient ist, findet bei Avey Tare ein reich geschmücktes Zuhause. Wer davon eher überfordert ist, dem sei Eucalyptus nur in kleineren Dosen empfohlen.

Benedict Weskott (CT das radio)

 

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Anspieltipps

  • Season High #1
  • Jackson 5 #6
  • Ms. Secret #3
  • PJ #8
  • Selection Of A Place #10

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