Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 10/2013

Albumcover

Autre Ne Veut
Anxiety

2010 noch ließ sich Autre Ne Veuts Geschichte recht schnell erzählen. Jung und aufstrebend entwarf Arthur Ashins in seinem Brooklyner Schlafzimmer auf progressive Art und Weise neue, flirrende Popkonzepte. Nun verkomplizieren zusätzliche Komponenten den Handlungsstrang, denn der Debütnachfolger „Anxiety“ will mehr sein als bloß ästhetischer Reiz.

Ashins folgt den Ursachen seiner depressiven Verstimmungen, offenbart sonach psychoanalytisch die problematischen Beziehungen seiner Jugend und tauscht dann kurzerhand seine Kaputtnik-Ästhetik gegen eine aufpolierte Luxusatmosphäre ein. Die Katharsis spiegelt sich so wunderbar im stilistischen  Wandel, dass sich all das überemotionale Abreagieren mit Wonne ertragen lässt, stürzt sich Ashins ob der Reinigung nicht in akustischen Krawall, sondern bringt mit „Anxiety“ ein glänzendes Stück postmodernen R’n’Bs hervor.

Dafür schlägt er die High Road ein, verlässt kaum sein Falsett und ergreift mit ihm als wichtigstes Instrument Höhepunkt für Höhepunkt seiner großartigen Melodien. Das sind so viele, dass sich schon nach einmaligem Durchlauf der knappen 38 Minuten ein gewisser Übersättigungseffekt einstellt. Was Autre Ne Veut wohl aber seit jeher auszeichnet und sich mit der Wahl von Daniel Lopatins Label Software jetzt umso mehr bestätigt: Arthur Ashins ist nicht auf Kurzweil gepolt. Einige Perlen entwickeln Mal um Mal mehr Eingängigkeit, „Warning“ etwa bettet erst über die Zeit die Stromgitarren so ins Hörerlebnis ein, dass sich dieser Popsong in eine organische Soul-Hymne verwandelt.

Mit der Erweiterung der digitalen Palette um akustische/elektrische Gitarren und ein tanzendes Saxophon vervollkommnet Autre Ne Veut seine  soundästhetische Idee, die sich in der Vielschichtigkeit seiner glatt produzierten Arrangements wiederfindet. „Play By Play“ ist mit seinen gefühlten sieben Refrains, die sich nicht nur innerhalb des Stückes, sondern auch mit jeder Wiederholung immer weiter entfalten, schon jetzt der Song des Jahres. „Anxiety“ ist ein Album, das wächst, schenkt man ihm die Konzentration, die es abverlangt. (Natalie Klinger, eldoradio*)

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Anspieltipps

I Wanna Dance With Somebody, #9
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Warning, #6
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Counting, #2
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Play By Play, #1
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Ego Free Sex Free, #4
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