Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 49/2002

Albumcover

Audioslave
Audioslave

Die Geschichte von Audioslave ist schnell erklärt: die Musiker von Rage Against The Machine schrieben Songs gemeinsam mit Chris Cornell, dem Sänger der 1997 aufgelösten Soundgarden und nahmen eine Platte auf. Und wenn zwei Kultbands fusionieren, sind die Erwartungen natürlich hoch. Aber Audioslave machen zum Glück nicht einfach da weiter, wo sie einzeln aufgehört haben. Dem Quartett ist es gelungen, die Essenz aus dem herauszufiltern, was ihre alten Formationen so besonders gemacht hat: die Dynamik und den mitreißenden Groove der Musik von Rage Against The Machine und Cornells facettenreichen Gesang zwischen leicht zynischer Resignation und wütender Leidenschaft.

Die Single „Cochise“ und die gradlinigen Rocknummern „Exploder“ und „Bring ‘Em Back Alive“ klingen wohl noch sehr nach der Musik, die man von einer solchen Band erwarten könnte: die typischen Rage Against The Machine – Gitarrenriffs von Tom Morello und der prägnante Rhythmus, erinnert an das Gefühl, alte Bekannte wieder zu treffen. Doch etwas ist anders: es ist Cornells Stimme, die sich bestens in den Sound einfügt und zu jeder Zeit genau das richtige Zusammenspiel aus ruhigeren und direkteren Parts hinbekommt, bei letzteren schreit er auch einmal so, wie man es bisher von ihm nicht kannte.

Darüber hinaus wagt „Audioslave“ schon einmal einen Schritt ab vom gewohnten Pfad und experimentiert ein wenig – das wohl beeindruckendste Ergebnis heißt „Hypnotize“ und klingt auch nach Hypnose und psychedelischem Rock. „Shadow Of The Sun“ und das bluesige „Getaway Car“ dagegen sind kraftvolle Balladen, die Cornells vielseitige Stimme bestens zur Geltung kommen zu lassen, während die Band meistens dezent im Hintergrund vor sich hin musiziert.

Dieses Debüt, das eigentlich keines ist, hat keine Tiefpunkte und kein unnötiges Füllmaterial. Jedes Stück erfordert Aufmerksamkeit, aber dafür langweilt sich der Hörer auch nie. Das ist erfreulich. Audioslave sind eine Band, die ihr Vorwissen bestens genutzt hat, um eine intensive und abwechslungsreiche Platte zu machen – und die offensichtlich ein großes Faible für Auto-Metaphern teilt, wie die Songtitel „Gasoline“, „I Am The Highway“, „Light My Way“ und „Getaway Car“ verraten. Wohin die Band diese Reise, die sie darin beschreibt, hinführt, weiß wohl keiner so genau. Fest steht nur, dass sich eine Band wohl kaum ein würdigeres Nachfolgeprojekt als „Audioslave“ wünschen kann.

(Text: Laura Scheiter, c.t.-das Radio, Bochum)

Anspieltipps

  • Cochise (Track 1)
  • Like A Stone (Track 5)
  • I Am The Highway (Track 8)
  • Hypnotize (Track 10)
  • Getaway Car (Track 12)

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