Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 09/2013

Albumcover

Atoms For Peace
Amok

Eine Bezeichnung, die Angstschweiß hervorbringt: Supergroup. Mick Jagger hat zum Beispiel 2011 "Superheavy" mit Joss Stone und Damian Marley gegründet. Lou Reed und Metallica. Nur zwei der unendlichen Beispiele, warum man diesen Allstar-Ensembles mit Vorsicht begegnen sollte. Jetzt also auch Thom Yorke: gemeinsam mit Flea, den Bassisten der Red Hot Chili Peppers, und Joey Waronker, Ex-Schlagzeuger von R.E.M. und Beck hat er "Atoms for Peace" gegründet. Doch Resultat ist hier erfreulicherweise zur Abwechslung mal kein indifferentes Genre-Allerlei geworden.

"Amok" reiht sich in die progressive Manier von Yorkes Debüt "The Eraser" ein, von dem auch der Song "Atoms for Peace" Namensgeber für das Projekt ist. Verschlungen elektronisch eröffnet das pluckernde "Before your very eyes" das insgesamt schwerfällige Inszenario. Vielschichtiges und verschachteltes Laptopgefrickel, neben das sich auch immer wieder vereinzelt eine klar erkennbar natürliche Instrumentierung gesellt, die es aber erst einmal zu entwirren gilt. Auf dem zerstückelt wirkenden "Default" legt sich Yorkes schwelgerische wie weltfremde Stimme auf weitläufige, morbide Synthieflächen. Komplex anmutende Kompositionen, die mit brüchigen Beats arbeiten und sich jeglicher Klassifizierung entziehen. So fragmentarisch sie anmuten: Am Ende fügen sich die Songs auf "Amok" doch zu einem organischen Ganzen.

Nur teilweise lassen sich die einzelnen Elemente identifizieren und ihren Beteiligten zuzuordnen. Fleas Bass, der sich auf "Dropped" findet, ist tatsächlich melancholisch präsent und schenkt diesem Track eine unterirdische Lebendigkeit. Auch "Judge Jury and the Executioner" enthält diesen minmal gehaltenen, aber doch nahezu singenden Bass, der sich subtil an die Claps und halligen Effekte anschmiegt. Doch dieser Track scheint neben "Reverse Running" wegen der noch ansatzweise vorhandenen Transparenz eher die Ausnahme zu sein. Yorke zementiert auf "Amok" die restlose Emanzipation von klassischen Songarrangements: Klare Kompositionsordnungen scheinen ihm endgültig zuwider und zu konservativ zu sein. Das nebulöse Titelstück mag hier als Beispiel dienen: Hypnotisch anmutend verdichten sich die einzelnen Elemente immer mehr, bis man den Wald vor lauter Bäumen mehr sieht.

Neben der brüchigen und spannenden Atmosphäre, die "Amok" durchweht, stellt sich aber auch die Frage, ob die Platte nicht gerade durch ihre Tendenz zur Überlagerung ein wenig an Reiz verliert.  Sollte es jedoch auch auf diesem Album Yorkes Ziel gewesen sein, die endgültige Loslösung vom Rock zu vollziehen, kann man ihn nur gratulieren. Und wenn das nächste Album der Red Hot Chili Peppers in Ansätzen wie dieses hier klingen sollte, kann man ihm  dann auch noch dankbar sein. (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

Before Your Very Eyes, #1
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Dropped, #4
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Default, #2
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Judge, Jury and Executioner, #7
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Stuck Together Pieces, #6
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