Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 24/2008

Albumcover

Atmosphere
When Live Gives You Lemons, You Paint That Shit Gold

HipHop ist Kultur und Lebensart, nicht aber wie oft publiziert eine Musikrichtung. Rap ist eins der fünf Elemente von HipHop - neben Breakdance, Graffiti, DJing und Beatboxen. Gänzlich Nebenprodukte der Industrialisierung sind zum Beispiel das Pseudogangstertum und der exzessive Gebrauch von explizitem Inhalt. Doch auch jenseits vom Major-Hip Hop und dem üblichen Klischee-HipHopper, der kifft, eine Cap, Baggy Pants in den Kniekehlen und Sneakers über dem dicken Onkel trägt, der stolz ist auf seine billigen Goldketten-Imitate und der keine Freundin hat, sondern eine Bitch an seiner Seite, gibt es eine Szene die es sich zu betrachten lohnt. In dieser Szene bewegen sich Atmosphere aus Minnesota.

Diese Platte ist viel zu Schade um nur nebenbei gehört zu werden. Diese Platte verlangt volle Aufmerksamkeit. Detailverliebt entwirft ANT Songgebilde voll soulig verspielter Melodien, mal elektrisch mit einer Synthie-Basslinie mal Jack Johnson-mäßig nur mit einer Gitarre im Hintergrund. Im besten Sinne ist es ein klassisches HipHop-Album geworden, was technische Tricks wie Handclaps, tiefe Bässe oder rumorenden R’n’B fast gänzlich ausspart. Es ist das sprödeste Album Atmospheres geworden, nicht mehr so verspielt, überladen und funky wie die Vorgänger oder das Gratis-Downloadalbum „Strickly Leakage“ aus dem Frühjahr. Dennoch ragen die Jungs aus dem HipHop-Einerlei hervor. Bei chilligen Tunes wie „Yesterday“, die so laid back um die Ecke schleichen wie eine Gruppe von Rentnern am Sonntag beim Tanztee, würden wahrscheinlich doch einige zum Joint greifen, obwohl damit das Klischee natürlich bestätigt wäre. Überhaupt passt dieses Geriatrie-Bild gut zu Atmosphere. Niemals hektisch, aber immer selbstbewusst, niemals monoton aber irgendwie doch. So freche Racker wie der Refrainzauber von „You“ fallen dann natürlich besonders aus dem Rahmen.

Was Slug schon auf früheren Alben beschäftigt hat, ist die Liebe. Und auch auf WLGYLYPTSG verarbeitet er Beziehungen - zumindest fiktive. "You can try to fix my broken wings / you can know all the words of the songs I sing / you don´t need to know what´s wrong with me / Unless you think you gonna come home with me." Das ist echt, raw und das trifft mitten dahin wo es hingehört. Ins Herz. Platitüden und oberflächliche Seichtigkeit fehlt dennoch, auch wenn die politischen Weisheiten ein wenig ins Abseits gedrängt wurden. Außerdem würden Slug einige Gesangsstunden sicher nicht schaden, aber so ist das halt bei Verliebten. Die singen auch schon mal schief, hauptsache das Gefühl stimmt. Und so haben es Atmosphere wieder geschafft ein Album zu produzieren, das unter Liebhabern von Concious Rap sicher Gesprächsthema sein wird. Wären Sie nicht bei Rhymesayer unter Vertrag, käme sicherlich auch Def Jux als Homebase in Frage und auch wer auf Common oder John Legend ein Auge geworfen hat, liegt hier ebenfalls GOLDrichtig. (Florian Dudda, CT das radio)

VÖ: 13.06.2008

Band: http://www.myspace.com/atmosphere | Label: http://www.rhymesayers.com

Anspieltipps

  • Guarantees, Track 10
  • You, Track 6
  • Yesterday, Track 9
  • Dreamer, Track 4
  • The Waitress, Track 14

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