Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 02/2006

Albumcover

Architecture In Helsinki
In Case We Die

Wenn die Skandinavier für Europa so etwas wie die Kanadier für Amerika sind, dann sind die Australier wohl die Finnen der Welt. Penetrant nett, immer irgendwie ein bisschen besser als der Rest und dabei kaum jemals einzelpersönlich herausstechend und konsequent unbeachtet oder unterschätzt. Die belächelten Nordlichter von Down Under.

Doch die Aussies haben einen entscheidenden Vorteil: Sie haben keine Nachbarn. Während die Gutmenschenkollegen von den anderen Kontinenten geradezu dazu gezwungen sind, sich durch grüneres Gras, schlauere Schüler und fast langweilig niedrige Kriminalitätsraten von ihren großen Brüdern und Schwestern abzusetzen und so überhaupt bemerkbar zu machen, lebt man in Australien auf einer Insel jenseits aller Vergleiche und trotz Multimedialweltvernetzung immer noch in einer naiv-ignoranten Unkenntnis dessen, was da draußen so vor sich geht.

So ist es kaum verwunderlich, dass die acht Mitglieder von Architecture in Helsinki weder jemals finnische Häuser gesehen, noch von einem kanadischen Kollektiv namens Arcade Fire gehört haben, mit dem sie nun pausenlos verglichen werden - zurecht? Nun, die Ähnlichkeiten gehen sicher über die gleiche Anzahl der Protagonisten, die fast unzähligen (und deshalb im Booklet des Architekten-Albums präzise tabellarisch aufgeführten) Instrumente und die alphabetische Nähe sowohl der Bandnamen als auch der Heimatstädte Melbourne und Montreal hinaus. Aber sie hören auch irgendwo auf.

Tara, Kellie, Gus, James, Cameron, Isobel, Jamie und Sam müssen eine extrem glückliche Kindheit gehabt haben. Oder eine unfassbar schlimme. Nur so lassen sich Unbekümmertheit, Spieltrieb, Albernheit und Naivität des Oktetts erklären. Entweder sie durften nie wirklich kindisch sein oder sie haben nie damit aufgehört. Die Vorstellung, in einem Land voller Happy Little Vegemites, Bananas In Pyjamas und Beuteltiere aufzuwachsen, lässt beides sehr plausibel erscheinen, Psychose oder schieres Glück. Und auch die Tatsache, dass jeder dieser Acht die über vierzig Instrumente auf "In Case We Die" beherrscht und extrem originell zu nutzen weiß, kann entweder ein Zeichen für eine schreckliche Kellerkindheit mit nichts als Xylophonen, Tubas, Orgeln und Keyboards zum Freund, oder aber für eine fröhliche Musikschulenkindheit mit Flohmärkten, Baumhäusern und haufenweise - menschlichen - Freunden sein.

Was immer es ist, es löst Architecture in Helsinki von den kollektiven Kollektivvergleichen. Weil sie selbst nicht in Vergleichszwang stehen. Weil ihre Musik kein arty Meilenstein ist, sondern sich trotz allen Könnens, des morbiden Albumtitels und der teilweise recht kryptisch-blutigen Texte nicht todernst nimmt. Weil sie so wunderbaren Pop machen. Und weil sie doch einfach nur spielen wollen. (Britta Helm, Radio Q)

Künster: http://www.architectureinhelsinki.com | Label: http://www.moshimoshimusic.com/

Anspieltipps

  • Do The Whirlwind, #6
  • Wishbone, #4
  • It´5!, #2
  • Frenchy, I´m Faking, #10
  • What´s In Store, #12

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