Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 32/2010

Albumcover

Arcade Fire
The Suburbs

„Eine Notwendigkeit. Für die Band und für uns. Ein essenzielles Album.“, so schloss die Silberlingsrezension zu „Funeral“ im Jahr 2005. Und ab diesem Punkt, ab diesem Album waren Arcade Fire aus Kanada die bedeutendste Indieband der 2000er Jahre. Es folgten ausverkaufte Touren, ein zweites beachtliches Werk und eine steigende Anzahl frenetischer Fans, die das Management zwang, „The Suburbs“ bis zum Schluss unter strengste Geheimhaltung zu stellen. Das Positive zum Beginn: Das aktuelle Werk hält diesen enormen Erwartungsansprüchen stand und gerinnt zu ultimativen Durchbruchsalbum der Band. Weltweit ist das Album auf den vorderen Plätzen der Charts zu finden, Konzertsäle sind durch Hallen ersetzt worden und man kann der Band nur dazu gratulieren, alles richtig gemacht zu haben.

Einmal mehr überzeugen Arcade Fire durch gut ausgearbeitete Songs, die sich nahtlos in ihre Diskographie einreihen. Auch wenn der Orgel-Pomp von „Neon Bible“ wegfällt und der hemmungslos verspielte Rest ihres Debüts einer neuen Gradlinigkeit weichen muss, sind auf „The Suburbs“ sind schwermütige Kompositionen genauso zu finden wie Folk, Rock und poppig angehauchte Songs. Eine geerdete Vielseitigkeit bestimmt die musikalische Oberfläche. Das Album endet wie es anfängt und zwar mit dem Titel-Track „The Suburbs“, welches auch schon vorab als „White Label-Pressung“ zu bestaunen war. Die rockig und dreckig angehauchte B-Seite der Single „Month Of May“ befindet sich ebenfalls auf dem Longplayer und erinnert eher an Queens Of The Stone Age als an Arcade Fire und zeigt die neue Unbekümmertheit, die sich in das sonst eher pathetische Schaffen eingeschlichen hat, ohne dass dieses Werk in Beliebigkeit abdriftet. Die sieben Kanadier schaffen es, durch die unterschiedlichen Arten von Musik eine Spannung zu erzeugen, die auch nach mehrmaligem Hören nicht vergehen will. Was überrascht, denn das Songwriting ist weder besonders auffällig, noch ist es die Instrumentierung. Das Album ist trotz unterschiedlicher Stile in sich schlüssig und bietet dem Hörer das gewisse Etwas, was auf vielen aktuellen Scheiben leider vermisst wird: Authentizität und Kreativität.
 
Man nimmt es ihnen ab, ihre Stories über das Vorstadtleben. Sie verschleiern erst gar nicht ihre Herkunft der „Upper Middle Class“. Ging es auf dem Vorgängeralbum „Neon Bible“ noch gegen Heuchler, die christliche Rechte und vor allem gegen Lieblingsfeind George W. Bush, so beschäftigen sie sich auf ihrem aktuellen Werk mit den Themen Kindheit, Unschuld und die Aussicht beides in einer immer komplexer werdenden Welt und in Selbstzweifeln zu verlieren. Die Geschichten sind dabei ebenso privat wie universell und letztlich nicht beschwerend oder düster, auch wenn die Fassade der selbstgeschaffenen Paradiese an den Stadtränden bröckelt. Die Musik dazu ist ergriffen, aber nicht pessimistisch: „Sprawl II“ erinnert gar an luftige Abba-Songs, „Rococo“ an eine flüchtige, aber doch dringliche Liebe und „Empty Room“ spart sich den ganzen Vorlauf und steigt ebenso beherzt ein, wie das tänzelnde „We Used To Wait“ einen in seinen Bann zieht. Für den Sound der Scheibe hat sich die Doppelspitze Win Butler und Ehefrau Régine Chassagne was ganz besonderes einfallen lassen. Die fertigen Aufnahmen des Albums wurden zunächst auf Vinyl gepresst und anschließend wieder zurück auf ein digitales Format zurücktransferiert. Dies bedeutet für den Hörer, dass auch alle digitalen Formate des Albums sich nach der „wärmeren“ Vinyl-Version anhören. So entfallen auch die Abnutzungserscheinungen der Vinylplatten, die bei diesem Werk sonst zwingend auftreten werden. (Dennis WItjes, hochschulradio / mw)
 
PS: Das Album, das in acht unterschiedlichen CD-Coverformaten auf dem Markt erschienen ist, beinhaltet 16 Songs.
 
VÖ: 30.07.2010
 
Links: Band | Label

 

Anspieltipps

01, The Suburbs
Link:

05, Empty Room
Link:

02, Ready To Start
Link:

13, We Used To Wait
Link:

15, Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)
Link:

Hier könnt Ihr Arcade Fire: The Suburbs - Silberling der Woche 32/2010 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar