Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 12/2006

Albumcover

Anti-Flag
For Blood And Empire

Anti-Flag melden sich mit einem neuen Album zurück. Und verdammt noch mal ja, sie sind sauer! Das hört man "For Blood and Empire" auch an. Denn die Band um Justin Sane, die unter mit Midtown und Strike Anywhere bereits die "Rock Against Bush"- Tour gespielt hat, hätte kein neues Album aufgenommen, wenn sie nichts zu sagen hätte. Anti-Flag sind gewissermaßen gekommen um sich zu beschweren.

Und es gibt viel, über das es sich zu beschweren gilt, seeehr viel. Allem voran natürlich die Bush-Regierung. Anti-Flag tun dies allerdings in ihrer gewohnt charmant-tanzbaren Art und bringen so mit Ska-Rhythmen und Singalong-Parts jede Menge Spaß in den politischen Punkrock. Obwohl "For Blood and Empire" auf dem Label RCA veröffentlicht wurde, wo neben den Foo Fighters und den Strokes auch Christina Aguilera zu Anti-Flags Labelkollegen gehört, muss man nicht befürchten, dass diese Band nun zahm geworden ist. Im Gegenteil, musikalisch sind sie nicht leiser geworden und auch textlich fletschen sie immer noch alle ihre Zähne und fordern den Hörer auf, für die Bewahrung seiner Rechte einzustehen und sich für andere zu engagieren. Während andere, vormals politische Punkbands schon lange satt geworden zu sein scheinen und leisere Töne anschlagen oder sich in eher humoristische Gefilde verzogen haben um niemanden auf den Schlips zu treten, ziehen Anti-Flag mit jugendlichem Idealismus (laut Selbstauskunft sind alle Bandmitglieder erst 19 Jahre alt - na klar) noch immer konsequent ihr Ding durch.

Dass der politische Anspruch bei Anti-Flag nicht nur Fassade ist, bemerkt man auch beim Lesen des Booklets, in dem neben den Songtexten umfangreiche Hinweise auf "Sekundärliteratur" zu "For Blood and Empire": dem Album liegen Essays bei, in denen auf politische Probleme aufmerksam gemacht wird, außerdem gibt es auf der Anti-Flag Homepage unzählige Links, unter denen man sich über diverse Organisationen, wie zum Beispiel PETA informieren und sich zum Beispiel bei Democracy NOW! ein alternatives Bild der Vereinigten Staaten machen kann. Spätestens wenn man sich mit diesen umfangreichen Materialien beschäftigt, merkt man, dass es dieser Band ernst ist. Anti-Flag beweisen, dass es ihnen wichtig ist, etwas zu tun statt nur darüber zu singen.
So ernst, dass laut ihrem Bassisten, Chris #2, Anti-Flag überflüssig seien, sollten eines Tages alle auf dieser Welt in Freiheit und Frieden leben können.

Anti-Flag gründeten sich 1988, Gründungsmitglieder Justin Sane und Pat Thetic sind heute noch dabei, Gitarrist Chris Head und Bassist Chris #2 kamen Ende der neunziger Jahre dazu. Schon der Name Anti-Flag signalisiert eine Gegenbewegung: Auslöser für diese Namensgebung war eine Gruppe faschistoider Punks, die in den achtziger Jahren in Pittsburgh ihr Unwesen trieben und jeden, der gegen ihre Art von "Punk" war, schlicht vermöbelten. Diese Gruppe trug die amerikanische Flagge als Zeichen und um dem etwas entgegen zu setzen, nannten sich Anti-Flag - eben Anti-Flag.

Nun, zwei Jahre nach dem Release ihres vierten Longplayers "The Terror State" geben die vier Jungs aus Pennsylvania auf "For Blood and Empire" wieder richtig Gas. Und natürlich wird auch hier, in gewohnter Anti-Flag Manier, wieder gegen alles Konservative und Repressive gerotzt. Musikalisch bewegt man sich auf altbekannten Pfaden, ohne jedoch vorhersehbar oder gar langweilig zu wirken. Punkrock zum Mitgröhlen wechselt mit Ska-Einflüssen und Hardcore-Gitarren und man merkt, dass Anti-Flag der Spagat zwischen politischen Engagement und mitreißenden Songs gelingt, ohne albern oder zu bemüht zu wirken.

Insgesamt ist dieses Album jedem zu empfehlen, der Spaß an melodischem Punkrock hat. Und an Bands, die noch ein Anliegen haben. (Nadine Maas, Radio Q)

Künstler: http://www.anti-flag.com | Label: http://www.redinkmusic.de

Anspieltipps

  • The Press Corpse, 2
  • State Funeral, 8
  • 1 Trillion Dollars, 7
  • Exodus, 3
  • Depleted Uranium is a War Crime, 13

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