Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 38/2007

Albumcover

Animal Collective
Strawberry Jam

Als Animal Collective vor zwei Jahren ihr fünftes Album "Feels" veröffentlichten, ging ein mehr als kleiner Ruck durch die Musikwelt. Wo man auch hinsah, herrschte größte Einigkeit über dieses Meisterwerk. Der Band selbst war das nie geheuer, sicherlich auch deshalb, weil es für den Nachfolger damit doppelt schwer werden würde. Und ganz ehrlich hätte wohl auch kaum jemand damit gerechnet, dass sich das neue Album "Strawberry Jam" ernsthaft damit messen lassen könnte. Doch es gelingt: "Strawberry Jam" packt von allen Zutaten, die Animal Collective auch bisher schon so unwiderstehlich machten, noch einmal eine Portion drauf.

Trotz guter Kritiken lassen Animal Collective es sich nicht nehmen, diese kauzige und besonders eigenwillige Truppe aus New York zu sein. Als drei Monate vor Veröffentlichung einige Tracks des neuen Albums in Tauschbörsen auftauchten, meinte Mastermind Panda Bear, das einzige Ärgernis an der Sache sei, dass nicht das komplette Album den Weg ins Netz gefunden habe. Sie sind unberechenbar geblieben, auch musikalisch. Der Opener "Peacebone" wurde zwar als Single veröffentlicht, widerspricht aber fast allen Maßstäben die eine solche normalerweise erfüllen würde. Ein zerhacktes Intro, kryptische Lautmalerei und eine total verrückte Geschichte sorgen für ein Gefühl irgendwo nahe an Vertrautheit und einem breiten Grinsen im Gesicht. Animal Collective zeigen auf "Strawberry Jam" zwei Seiten. Die erste Hälfte des Albums kommt mit wundervollen Hymnen (hat es jemals einen besseren Popsong als "Fireworks" gegeben?) daher. Die positive Grundstimmung wird nie fallen gelassen, aber auch der große Knall in den Songs bleibt aus (bestes Beispiel: "Chores") - diese Technik bewirkt, dass der Zuhörer sich niemals alleine fühlt, er schwebt weiter gleichmäßig auf einer Wolke über dieses seltsame Konstrukt voller bunter, unvollendeter Ansätze.

Die zweite Hälfte ist eher durch abstrakte, ja geradezu archaische Klänge geprägt, wie sie auch schon auf den ersten Alben zu finden waren. Besonders hervorzuheben ist "Cuckoo Cuckoo", das sich wunderbar in die Länge zieht, gar nicht mehr aufzuhören scheint und dann zum Bedauern des Zuhörers doch plötzlich ein abruptes Ende findet. "Winter Wonder Land" startet als wahrer Brocken, entpuppt sich dann aber als unheimlich schön gezeichnetes Stück, das auch als Kinderlied durchgehen könnte. Für alle Stücke gilt: Sie mögen anfangs schwer ins Ohr gehen, setzen sich aber unwiderrufbar dort fest. Es ist ein Fest voller kleiner und großer Ideen, das die Kreativität der Band in jedem Moment dieser Platte aufblitzen lässt. Besäße auch jeder drittklassige Strokes-Klon auch nur einen Bruchteil dieser Energien, wäre die (Musik-)Welt um einiges besser. Ganz ehrlich.

Massentauglich waren Animal Collective ja schon etwas länger. Mit "Strawberry Jam" sind nun aber endgültig ganz oben im puristischen Popolymp angekommen. In solchen Fällen hört man häufig, die Band hätte es verdient in die Charts zu kommen und das ganz große Geld zu machen. Doch das ist den Mannen um Avey Tare und Panda Bear nicht wichtig. Und das ist auch gut so. Auf weiteren Großtaten! (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*)

VÖ: 07.09.2007

Künstler: http://www.myanimalhome.net | Label: http://www.dominorecordco.com

Anspieltipps

  • Peacebone, Track 1
  • Winter Wonder Land, Track 7
  • Chores, Track 2
  • Fireworks, Track 5
  • Cuckoo Cuckoo, Track 8

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