Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 04/2009

Albumcover

Andrew Bird
Noble Beast

Seine Texte gleichen mehr einem literarischen Werk, als denen eines Popsongs. Das ist es wahrscheinlich der Gedanke, der vielen durch den Kopf gehen wird, wenn sie die eleganten Songs von Andrew Bird hören, die viel Freiraum für Wörter, Stimmen und Gedanken lassen. Aber wahrscheinlich ist es gerade das, was ihn so einzigartig macht. Das überlegte Herangehen an die Musik, die Empfindsamkeit und der Schöngeist sind Ausdruck von innerer Balance und Können. Er ist nämlich nicht gerade das, was man unter einem typischen Popmusiker versteht. Was den Amerikaner von anderen Künstlern seines Genres unterscheidet, ist nicht zuletzt die Tatsache, dass er eine klassische Ausbildung genoss, die er mit einem Bachelor im Violinenspiel an der Northwestern University in Illinois abschloss.

Nach dreijähriger Pause meldete Andrew Bird sich mit neuem Album zurück und feinjustiert all das, was auch seine vorherigen Alben ausgezeichnet hat: Sanftes Geigenspiel, eine fast schüchterne Art des Musikzierens. Gitarren, Pfeifen, Glockenspiel – eine Aura des Natürlichen umgibt "Noble Beast", das mit einem entsprechenden Cover aufwartet. Wer sein letztes Album kennt, dem wird bei dieser Platte wahrscheinlich zuerst das durchgehend langsame Tempo auffallen, was aber auf keinen Fall unvorteilhaft ist. Denn genau dadurch kommt seine einzigartige Spielweise erst richtig zum Ausdruck. In Songs wie "Effigy" fällt auf, wie perfekt er die Geige beherrscht, die er mal streicht, mal zupft, mal loopt und den Übergang zur dominanten Akustikgitarre fast nahtlos erscheinen lässt. Mit seiner angenehmen und wenig auffälligen Stimme verleiht er seinen Stücken eine Art von Harmonie, wie nur Andrew Bird es kann. Schwebend und ausgeglichen ruhig, was bei vierzehn Songs der annähernd gleichen Machart die Details akzentuiert.

Ein Album wie im Fluss und mit der nötigen Gelassenheit eingespielt. Durch Songs wie "Natural Disaster" und "Souverian", wird das Album zu einem Entspannungserlebnis der besonderen Art. Seine Texte haben zwar Tiefe, sind aber trotzdem voller Leichtigkeit. So drückt er durch einfache Verse wie "Look upon the field of snow / To find the desert sea / Under the ice the springs will flow to release / Fecundates like a natural disaster" den ganzen Kummer aus, den ein Mensch durchleben kann. Untermalt wird diese Einstellung durch seine melancholisch schöne Stimme, der man sofort abnimmt, dass seine Seele von großem Leid geplagt ist. Das unverkennbare Pfeifen des Andrew Bird fehlt natürlich auch auf diesem Album nicht und macht seine Songs erst zu echten Andrew Bird Songs, die ohne jeglichen Pomp einen Gegenentwurf zu alltäglichen Zermürbung darstellen.

Die Liebe zum Detail zieht sich wie ein roter Faden durch das komplette Album. Von der leichtfüßigen Single "Oh No" bis zum eher schwermütigen "On Ho", von romantischen Akustiksongs (link: Damien Rice) bis zu Tracks, die in mit herkömmlichem Bandinstrumentarium eingespielt sind (link: Decemberists). Alle Kniffe der Harmonielehre (link: Fleet Foxes) und des gefälligen Songwritertums (link: Bon Iver) hat er verinnerlicht und rührt mit lebhaften Lebensskizzen eine bekömmliche Popmischung an. Manchmal etwas kraftlos, aber immer gelassen, traumhaft unspektakulär und mit einer unauffälligen Euphorie, die glücklich macht. (Michael Savic, CT das radio)

VÖ: 30.01.2009

http://www.andrewbird.net | http://www.bellaunion.com

Anspieltipps

  • Oh No, Track 1
  • Tenuousness, Track 5
  • Natural Disaster, Track 11
  • Effigy, Track 8
  • Fitz and the Dizzy Spells, Track 3

Hier könnt Ihr Andrew Bird: Noble Beast - Silberling der Woche 04/2009 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar