Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 05/2005

Albumcover

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead
Worlds Apart

„...And You Will Know Us By The Trail of Dead“ Was, bitteschön, ist das denn für ein Bandname? Tatsächlich fällt eine adäquate Beschreibung der fünften Platte des Projekts von Jason Reece, Conrad Keely und Kevin Allen (Neil Busch hat die Band Anfang 2004 verlassen) ebenso schwer, wie das Zusammenfassen der Idee, die hinter dem Projekt „Trail of Dead“ steckt. Lassen wir beides dennoch nicht unversucht: Die vier oben genannten Jungs aus Planoe, Texas kennen sich seit der Vorschulzeit, sangen sehr erfolgreich im methodistischen Knabenchor, verloren sich aus den Augen und fanden sich und ihre Liebe zum Gesang in Austin, Texas wieder.

Kommt da noch was, außer dem Standard-Gründungsmythos? Aber ja! Nebenbei beschäftigten die Vier sich intensiv mit der Kultur der Maya, ein Forschungsschwerpunkt an der „University of Texas“. Neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Maya-Forschung ließen sie zu dem Schluss kommen, dass es eine Verbindung, eine Art anthropologisches Schema gibt, das die Kulturen der Vergangenheit mit denen der Gegenwart verbindet. Dabei stießen sie des öfteren auf diesen im wahrsten Sinne des Wortes merk-würdigen Satz: And You Will Know Us By The Trail of Dead. Er taucht sowohl in Riten der Maya, als auch in altägyptischen Schriften auf. Dieses Bindeglied zwischen unterschiedlichen Kulturen musikalisch zu verarbeiten, von geistlicher und weltlicher Volksmusik aller Epochen zu Rock, das ist der selbst gesetzte, hohe Anspruch dieses „Projekts“.

Aus solch einem theoretischen Kredo entstehen dann chaotisch anmutende aber runde Konzeptalben. „Worlds Apart“ ist da eben schon der vierte Longplayer-Streich und vermutlich angelehnt an eine der ersten gecasteten Boybands. Ähnlich meisterlich kombiniert und komponiert ist dieses Album, aber eben nicht so künstlich. Man kann es ohne Scheu und ohne sich in vermessenen Phrasen versteigen zu wollen, als eindeutigen Schritt in Richtung eines „next level“ der (Rock-)Musik bezeichnen. Glaubt man den Selbstdarstellungen von „Trail of Dead“ in den einschlägigen Musikzeitschriften, dann ist von klassischer Musik plus altägyptischen rituelle Gesänge(„Overture“) über Kurt Cobain („Summer 91“) bis zu Michael Jackson („The Best“) alles in dieses Werk eingeflossen, was im menschlichen Musikerbe Rang und Namen hat. „Will You Smile Again For Me“, ein annähernd sieben Minuten langer Wirbel aus cleanen Gitarren-Arpeggios, rauchigen Jazz-Bläsersätzen und Fünf-Achtel-Takt soll Brian Wilson von den Beach Boys gewidmet sein. Und wer mag, kann auch „Pet Sounds“-Zitate im dynamisch gebrochenen Arrangement erkennen. Ähnlich monumental grobschlächtig und plötzlich unerwartet filigran arrangiert wie "Will You Smile Again For Me " ist auch „Classic Art Showcase“. Wieder diese vertrackte Rhythmik und irgendwo im Raum Telefongebimmel und amorphe Soundfransen. Und dann ist da noch „Let it dive“. Wie Oasis, nur besser.

Verstörend und facettenreich bis polternd wal(t)zen „Trail Of Dead“ hymnisch und off-beat mit ihrer ersten Single „Worlds Apart“. Die Strophe enthält die Kernaussage des Albums: „What‘s the future of Rock‘n‘Roll? / I say I don‘t know! Does it matter?“ Und das Thema des Chorus taucht unter dem herzerweichenden Schreien einer Frau am Ende von „The Best“ wieder auf: „This Candy Store Of Ours“. Ist da etwa Politik im Spiel? Ein Sinnbild für unsere Konsumtempel? Was soll‘s! Der Schreiber dieser Zeilen kapituliert vor diesem überwältigend avantgardistischen Manifest und erliegt dem dringenden Bedürfnis nochmal auf Repeat zu drücken, um sich diese Soundcollagen wieder und wieder reinzupfeifen.

Und selbst wenn dieser ganze Mythos – von wegen Chorbübchen und so – erlogen sein sollte; der perfekte Gesang von Conrad Keely bei „Summer 91“ oder bei „All White“ macht die Geschichte durchaus plausibel. Bezeichnenderweise sind „...And You Will Know Us By The Trail of Dead“ nach eigener Aussage bei der Produktion des Albums zu dem Schluss gekommen, dass die menschliche Zivilisation zwangsläufig ihrem technischen Fortschritt hinterherhinkt. Die Möglichkeiten, die uns die Elektronik gibt, bleiben ungenutzt, angeeignetes Wissen verfällt mit immer geringerer Halbwertzeit. Und trotzdem wird an die Liga, in der „Worlds Apart“ spielt, so schnell keiner rankommen. (Christian Erll, Radio Q)

Künstler: www.trailofdead.com; Label: www.universalmusic.de

Anspieltipps

  • Worlds Apart, Track 3
  • Summer 91, Track 4
  • The Best , Track 11
  • All White, Track 10
  • Caterwaul, Track 6

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