Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 47/2006

Albumcover

And You Will Know Us By The Trail Of Dead
So Divided

Von der Fachpresse hoch gelobt, vom Absatzmarkt hingegen verschmäht: Nach dem eher mäßigen Erfolg der 2005er Platte „Worlds Apart“, sah es zwischenzeitlich danach aus, als würden die Begründer der Rockanthropologie der Musikwelt den Rücken kehren. Doch nach nur einem Jahr Sendepause melden sich „…And You Will Know Us By The Trail Of Dead“ (kurz „Trail Of Dead“) mit ihrem mittlerweile fünften Studioalbum „So Divided” nun zurück. Allerdings macht die kurze Zeitspanne zwischen Vorgänger- und Nachfolgerscheibe schon ein wenig stutzig. Manch einer befürchtet einen musikalisch-trotzigen Schnellschuss mit der Absicht, den schmachvollen Nichtverkauf von „Worlds Apart“ vergessen zu machen. Und die eingangs erwähnten, nicht abreißen wollenden Lobeshymnen der Kritiker – hierzulande wurde „Worlds Apart“ unter anderem von der Musikredaktion der „Visions“ zum Album des Jahres 2005 gekürt und nicht zuletzt auch von den CampusRadios NRW zum Silberling der Woche auserkoren – setzen die Messlatte der Erwartungen auch nicht niedriger. Von dem nahezu blasphemisch anmutenden Anspruch der Band um Frontmann Conrad Keeley, eine stich- und hiebfeste Musikgeschichte des Rock zu ergründen, wollen wir mal ganz abgesehen.

Doch wer die gebürtigen Texaner kennt und die Entwicklung von „Trail Of Dead“ mitverfolgt hat, weiß, diese Band lässt sich nichts vor- und schon gar nicht durch Panikmache und neidvolle Unkenrufe von Außen verrückt machen. Denn immerhin scheinen die fünf sympathisch-verrückten Jungs eine schier unerschöpfliche Ideenquelle für neue Songs angezapft zu haben. Und so finden sich auf „So Divided“ elf ausnahmslos stimmige Stücke, die sich anschicken, den geneigten Hörer zu beglücken. Dieser fühlt sich direkt zu Beginn der Platte bei „Stand In Silence“ in ein Live-Konzert versetzt und wird dabei von einer kreischenden Menge begrüßt, die erst beim treibenden Einsatz der Drums verstummt. Was folgt, ist energiegeladener Postcore, der zur Mitte des Songs von einem Moment der Andacht unterbrochen wird, um dann in einem monumentalen Meer von Fanfaren zu münden und schließlich in gewohnter Manier weiterzurocken. Erster Höhepunkt der Scheibe ist dann die erste Singleauskopplung „Waste State Of Mind“ mit seinem emoesken, zerbrechlichen Gesang der Marke „Sunny Day Real Estate“, passend untermalt von Piano, Drummachine - und Akkordeon! Von da an spinnt sich der rote Faden der CD fast wie von selbst weiter; „And You Will Know Us By The Trail Of Dead“ zollen den verschiedlichsten Stilen Tribut und interpretieren sie dabei neu: Ob Blues („Naked Sun“), Independent („Life“) oder Sixties-Rock („Eight Day Hell“) - „So Divided“ lädt zu einer Zeitreise durch die Musikwelt der letzten sechzig Jahre ein. Zu den rockigen Melodien gesellen sich oftmals noch diverse klassische Klänge, kaum ein Song kommt ohne die obligatorischen Streicher oder Klavierspiel aus. Dazu bewegen sich die US-Amerikaner textlich gesehen, im Vergleich zum Vorgänger, auf weitaus düstereren Pfaden; meist versprühen die Songs einen melancholischen, endzeitlichen Charme.

Das Ergebnis ist ein leicht pathetisches, aber vor allem episches Album, nicht zuletzt weil kaum ein Song unter fünf Minuten Spielzeit davonkommt. Was sich aber im Endeffekt keineswegs als Kritikpunkt herausstellt, denn mit „So Divided“ verschaffen sich „Trail Of Dead“ genau die Plattform, die der Band gebührt. (Patrick Torma, Radio DuE)

VÖ: 17.11.2006

Band: http://www.trailofdead.de | Label: http://www.universal-music.de

Anspieltipps

  • Naked Sun - No. 4
  • Wasted Stand Of Mind – No. 3
  • Stand In Silence – No. 2
  • Life – No. 7
  • Gold Heart Moutain Top Queen Directory – No. 5

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