Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 11/2007

Albumcover

Amy Winehouse
Back To Black

Es geht durch die Nacht Londons. Das Wochenende ist in vollem Gange, die Drinks fließen literweise die Kehlen herunter. Wenn man der englischen Yellow Press Glauben schenken mag, dann kennt sie sie alle. Die Johnny Walkers, Jack Daniels, die Jim Beams dieser Welt. Und wenn man ihr zuhört, dann muss man wohl verschämt insgeheim nicken. Diese Stimme! Energie und Feinfühligkeit umtasten sich hier nicht behutsam, sondern tauschen gleich wilde Küsse aus. Und das leicht Kernige mittendrin ist wohl weniger Folge exzessiven Milchkonsums.

Auch wenn die Boulevardpresse mit Hingabe über das nachtschwärmerische Verhalten der jungen Engländerin berichtet (natürlich nur, wenn nicht gerade Pete Doherty von den Babyshambles friedliebende Paparazzi vermöbelt oder weiße Brause von der Straße schnupft) so sind die meisten Geschichten ins kunterbunte Reich der Mythen zu verweisen. Jedoch zögert Amy Winehouse keine Sekunde, wenn sie autobiographische Züge auf ihrem Zweitling bestätigen soll. Die Parallelen sind unübersehbar, was „Back To Black“ zu einem privaten Album macht. „They Tried To Make Me Go To Rehab“ erzählt ihre erste Single als Bekenntnis zu Lebenstälern und verblichenen Tagen. Geschichten sind bei Amy Winehouse kein Kalkül, sondern schlicht Erlebtes aus ganz offensichtlich turbulenten 23 Jahren. Und nicht nur Gefühlstürme unter dem Namen der Liebe scheinen ein schier unversiegbarer Inspirationsquell zu sein. Schnörkellos und vor allem unprätentiös erhebt sie darüber ihre latent knödelige Stimme, die immer den Charme ungebrochener Harmonie versprüht.

Während wir uns mit purem Wohlfühlen schon fast begnügen würden, weil sich so das Frühstücks-Brötchen quasi sich von alleine schmiert, entzückt dieses Album mit der Entschließung eines ganzes Universums musikalischer Möglichkeiten. Weil bei „You Know I´m No Good” die stillvollsten Motown-Blechbläser schmettern, seit die wahren 60er Ikonen zwei Etagen tiefer komponieren. Weil zwischen ungeheurer Lässigkeit fortwährend packende Pop-Melodien tropfen und ganz nebenbei zwischen Reggae- und Jazz-Anflügen der Soul immer die Oberhand gewinnt. Nur zu gern wird der swingende Sound von Doo-Wop reanimiert und ins Jahr 2007 herübergerettet, der einmal mehr zwischen Unbekümmertheit, Feinsinn und Euphorie hin und her tänzelt. Auch wenn der Glattbügler der großen Plattenfirma natürlich mit Politur nicht geizig war, klingt dieses Brit-Award prämierte Werk nie zu glänzend und oberflächlich. Der größte Verdienst besteht sogar hauptsächlich darin, dass der Pathos zu keiner Zeit aufgesetzt und gewollt tönt. Vielmehr geben leichfüßige Trompetensounds und brown-eyed Schlagwerk diesem Album zudem die nötige Eigenheit im Spannungsfeld aktueller Popmusik und lassen es hinreißend vertraut klingen.

Dem omnipräsenten R´n´B aus dem amerikanischen Leichtbausystem wird hier eine kurze, aber sehr unterhaltsame halbe Stunde die wahre schwarze Seele entgegen gesetzt. Sie ist zwar wahrlich keine Akkordarbeiterin, aber eine Art Dekorateurin. Jede Textzeile wird mit ihrer individuellen und prägnanten Stimme verschönert. Mit Schulterblick zurück. In die Hitze der Nacht. (Markus Wiludda, eldoradio*)

VÖ: 09.03.2007

Amy: http://www.amywinehouse.co.uk | Label: http://www.universal-music.de

Anspieltipps

  • Rehab, Track 1
  • Wake Up Alone, Track 8
  • Me & Mr. Jones, Track 3
  • Back To Black, Track 5
  • You Know I´m No Good, Track 2

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