Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 23/2012

Albumcover

Alt-J
An Awesome Wave

„One, two, three – yeah“, erklingt als Sample im ersten Stück des Debütalbum und darf direkt als Fingerzeig verstanden werden. Denn was in den insgesamt dreizehn Liedern darauf folgt ist ein Aufschrei voller Emotionen, voller Gefühl; subtil und eindringlich zugleich.

Alt-J (∆) kommen aus Leeds. Vier junge Männer, die sich während ihres Studiums kennenlernten und Lust auf Musik hatten. Völlig frei von bestimmten musikalischen Vorstellungen und Vorlieben, entstand eine Musikrichtung, die man als Folktronic beschreiben könnte. Eine Komposition, die die Verbindungen zwischen britischem Pop, tiefsinnigem Folk, Spuren von HipHop und Indie neu zeichnet und dabei gleichzeitig vertraut und doch herrlich neu und ungewohnt klingt.

Bereits das „Intro“, lässt den Atem stocken, wenn das traurig-ruhige Klavier die ersten Töne spielt. Man stellt sich insgeheim schon auf eine ruhige Platte ein, um dann von der angenehm krächzenden Stimme des Sängers Joe Newman und einem dröhnenden Bass aufgeschreckt zu werden. Verworren geht es weiter. Dem „Intro“ folgt „Interlude 1“, eins von drei „Zwischenstücken“. Ein reines zweistimmiges A-Cappella-Stück, mit überraschenden Höhen und Tiefen in der Stimme Newmans und einer tragenden Melodie, die nahtlos an den dritten Titel „Tessellate“ übergreift. Man könnte so jeden Titel auseinandernehmen, um die Bandbreite und Verspieltheit der Band umfassend darzustellen, denn fast jedes Lied strahlt vor musikalischem Feingefühl - sowohl gesanglich, wie auch in der Instrumentierung und dem Songwriting. Von klassischen Gitarren, Klavier, dem mittlerweile fast standardmäßigen Xylophon, hinüber zu Geigen, aggressiven Bässen und hellen Synthesizern und Instrumenten, dessen Namen man wohl erst googlen muss.

Textlich strotzt „An Awesome Wave“ nur so vor außermusikalischen Referenzen. So bezieht sich der Song „Matilda“ auf Luc Bessons Film „Leon“ und die romantisch-spröde Beziehung zwischen einem Profikiller und einem Mädchen (Matilda) - als Metapher für Distanz und Unerreichbarkeit. Andere Filme, wie „The Bad and The Ugly“ dienten ebenfalls als Inspirationsquelle und da wundert es auch nicht, dass die Band bevor sie sich Alt-J (∆) nannten, schlicht und einfach Films hieß. Doch nicht nur Filme, auch Romane, biographische und fantasierte Geschichten füttern die Songs mit Tiefgang. Im Herzen des Albums steht der Song „Dissolve Me“, in dem Sänger Joe Newman erzählt, wie seine Mutter mit ihm früher zum Einschlafen das Spiel „Wir fahren an den Strand“ gespielt hat. „She makes the sound the sea makes to calm me down“, bis der junge Joe eingeschlafen ist. Die Verbindung von Nostalgie und der biographischen Ehrlichkeit, im Zusammenspiel mit einer leicht verschwommenen Gesangsartikulation und der feinfühligen musikalischen Umsetzung, macht „An Awesome Wave“ so zu einem sehr intimen Album.

Am Schluss der Platte bietet „Taro“ einen passenden, aber kitschigen Abschluss: Eine Geschichte über das Liebespärchen Robert Capa und Gerda Taro, deren Liebe bis in den Tod reicht. Als Kriegsfotografen wurden beide Opfer von Landminen. Genau mit solchen Texten wie diesen trifft die Band genau ins Herz. Alt-J wirken dabei immer authentisch und verstehen sich gut darauf die Gefühle präzise, aber auch mit genug Spielraum für die eigene Fantasie auf den Punkt zu bringen. (David Mader, CampusFM)

Links: http://www.altjband.com ">Band | Facebook

Anspieltipps

Breezeblocks, #4
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Matilda, #8
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Dissolve Me, #7
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Something Good, #6
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Taro, #13
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