Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 06/2004

Albumcover

Air
Talkie Walkie

Wenn zwei junge Männer starke Hemmungen haben, mit den Freundinnen über ihre romantischen Vorstellungen zu sprechen, dann muß das nicht zwangsläufig in einem Scheitern der Beziehung enden. Nein, ganz im Gegenteil: Anstatt daran zu zerbrechen, suchen sie vielleicht andere Wege und Möglichkeiten und machen damit nicht nur die Freundinnen sondern auch viele andere Menschen glücklich.
Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel sind zwei dieser verkappten Romantiker und seit 1998 unentwegt damit beschäftigt, ihre Träume und Phantasien mit dem Projekt AIR musikalisch umzusetzen. Ihr Erstlingswerk "Moon Safari", ein grandioser Soundtrack aus ScienceFiction-Synthie-Klängen und prickelnd lasziven Vocoder-Vocals gilt mittlerweile als Klassiker und Meilenstein der französischen Musikgeschichte. Nach einem Soundtrack zu Sofia Coppolas Film "The Virgin Suicides" und dem zweiten Studioalbum "10.000 Hz Legend" steht nun die vierte Veröffentlichung "Talkie Walkie" in den Regalen - eine Rückkehr zum Minimalismus von "Moon Safari", und vielleicht auch eine Reaktion auf die Enttäuschung über den Anklang des Vorgängers.
"Talkie Walkie" - das ist weit mehr als nur ein Wortspiel. Hört man die ersten Titel der CD, wird sofort klar, daß hier zwei Musiker im Studio waren, die sich blind verstehen. Und um diese musikalische Telepathie vollständig wirken zu lassen, wurden diesmal alle Instrumente und Vocals selbst eingespielt und gesungen. Das Ergebnis: Eine beeindruckende Klarheit von Musik und Gesang, ein Soundtrack zu einem fiktiven zehnstündigen Film, zusammengefasst in zehn elektronisch angehauchten Gänsehaut-Popsongs. Eingängiger und mit mehr Chart-Potential als "10.000 Hz Legend" aber auch differenzierter und dynamischer, so, wie wir es von "Moon Safari" gewohnt sind.
Die erste Single-Auskopplung "Cherry Blossom Girl" hat sogar, wenn auch nur dahingehaucht, eine Hookline und verleitet zum Mitsummen, obwohl diese inhaltlich eher an Tagebuchauszüge eines pickligen Teenagers erinnert, der in seinen amourösen Phantasien völlig aufgeht. Aber wahrscheinlich machen genau diese Träumereien den Reiz an der Platte aus: Beim Hören von "Talkie Walkie" braucht sich niemand für seine romantische Ader zu schämen, hier werden Utopien wahr und Zukunftsängste vergessen - AIR sei Dank.
(Dominik Jozic, Hochschulradio Düsseldorf)

Anspieltipps

  • Venus #1
  • Cherry Blossom Girl #2
  • Surfin´ On A Rocket #6
  • Alpha Beta Gaga #8
  • Alone In Kyoto #10

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