Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 17/2002

Albumcover

Adam Green
Adam Green

Eigentlich stehe ich gar nicht so besonders auf Musik aus der Schublade Singer/Songwriter. Und zugegeben, so einen Silberling hatten wir noch gar nicht. Adam Green ist die männliche Hälfte der grandiosen „Moldy Peaches“. Jetzt höre ich schon einen Teil von euch sagen: „Aah, Klasse, da bin ich gespannt!“ Der andere Teil schreit auf: „Oh Gott DIE?!“ Adam Greens Solo wird noch mehr spalten. Aber dieses Album hat das gewisse Etwas, das vielen teuren und ausgefeilten Produktionen fehlt.

Die Moldy Peaches rechnet man New Yorks Anti-Folk-Szene zu. Auch Adam Greens Solo-Album knüpft daran an. Es ist aber insgesamt etwas ruhiger. Auch Country-Einflüsse, Beatles, und Lou Reed klingen durch. Manche Stücke bestehen einzig und allein aus Gitarre und Gesang. Andere enthalten klassische Instrumente wie Harfe, Klarinette oder Blockflöte – aber immer nur eines davon. Das erste Stück ist einfach nur schräg und abgefahren. Eine elektronische Geräuschkulisse pointiert hier Adams Gesang und Gitarrenspiel.

Einfache und klare Melodien und Adam Greens Stimme liegt immer wieder leicht neben dem richtigen Ton. Aber genau das ist sein Markenzeichen. Keiner singt auf diese spezielle Art und Weise so selbstbewusst daneben. Besonders herrlich zu hören, wenn eine weibliche Stimme mitsingt ohne dabei synchron zu sein. Das gilt ebenso für die Instrumente. Nur das zurückhaltend sparsame und kaum merkliche Schlagzeug hält den Takt, scheint alles beisammen zu halten. Die Songs könnten ebenso gut von einem 68er-Studenten am Lagerfeuer gesungen und aufgenommen worden sein. Sieben der zehn Songs hat Adam Green auch tatsächlich lo-fi-like zuhause eingespielt. Statt Lagerfeuergeknister hören wir das Grundrauschen des Raumes, vielleicht des Wohnzimmers. Unmittelbarer und näher kann es wohl kaum sein.

Adam Green ist ein Geschichtenerzähler. Er erzählt in seinen Liedern auf kurzweilige Art Hintergründiges und findet dafür verblüffend einfache und direkte Worte. Deshalb könnte die musikalische Umsetzung nicht besser passen: fast aller seiner Songs haben die Anmutung von Kinderliedern. Man wird das Gefühl nicht los, dass man die Melodie aus der eigenen frühesten Kindheit kennen würde. Spätestens aber beim zweiten Hören ertappe ich mich selbst beim Mitsummen.

Unterm Strich: Das gewisse Etwas von Adam Greens Solo-Album liegt irgendwo zwischen bestechender Schlichtheit, schrulligem Badewannen-Sing-Sang und der Aufrichtigkeit von Kinderreimen und Schlafliedern. Oder einfach nur: schön und schräg! – Eine doch recht seltene Kombination.

Am 27.05.01 erscheint übrigens das Solo-Werk von Kimya Dawson, der anderen Hälfte der Moldy Peaches - ebenfalls bei Rough Trade.

(Text: Christian Schön, elDOradio 93.0, Dortmund)

LABEL: www.roughtraderecords.com

Anspieltipps

  • MO: Apples, I’m Home (Track 1)
  • DI: Baby’s gonna die Tonight (Track 8)
  • MI: Computer Show (Track 6)
  • DO: Times are Bad (Track 9)
  • FR: Cam You See Me (Track 10)

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