Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 50/2017

Albumcover

Noel Gallagher’s High Flying Birds
Who Built The Moon?

Acht Jahre nach der Trennung von Oasis und mit dem mittlerweile dritten Soloalbum scheint Noel Gallagher den Fluch der einstigen Britpop-Giganten und die Verbindung zu Streithahn-Bruder Liam immer noch nicht ganz los zu sein. Das mag auch daran liegen, dass beide im Abstand von wenigen Wochen ihre neuen LPs veröffentlicht haben. Trotzdem ist es nicht gerade fair, da Who Built The Moon ziemlich wenig nach Oasis klingt – und das mit Absicht.

Zu verdanken haben Noel Gallagher und seine High Flying Birds diese musikalische Abkehr vor allem DJ und Produzent David Holmes, der Noel dazu brachte, unbekannte Gewässer zu erkunden. Herausgekommen ist ein ziemlich wilder Genremix. Noel hat sich seine Inspiration für Who Built The Moon bei allen möglichen Stars der Musikbranche geholt. Fort Knox zum Beispiel ist in Anlehnung an Kanye Wests Single Power entstanden und bei She Taught Me How To Fly hört man deutlich Achtziger-Synthpop à la Blondie heraus. Der titelgebende Track The Man Who Built The Moon wirkt eher wie der perfekte Soundtrack für Quentin Tarantinos Western The Hateful Eight.

Trotzdem lässt Noel vor allem durch die Songtexte etwas ganz Eigenes einfließen. Besonders gut wird dadurch der Kontrast zwischen einzelnen Songs deutlich. Fröhliche Hymnen wie Holy Mountain, die einen unwillkürlich mit dem Fuß wippen lassen, wechseln sich mit Tracks wie dem hochironischen It’s A Beautiful World ab, bei dem es um das Chaos der heutigen Welt geht. Wieder hat Noel etwas gewagt und in die Mitte eine Art Lautsprecherdurchsage auf Französisch aufgebaut, bei der unbedarft das Ende der Welt verkündet wird. Auf das Album hat es mit Dead In The Water sogar ein Live-Song geschafft und damit noch eine Ballade! Perfekt zum winterlichen Entspannen auf dem Sofa.

Noel Gallagher, selbst mittlerweile Vater von drei Kindern, gibt auch seine Erfahrungen mit dem Starruhm an die nächste Generation weiter. Be Careful What You Wish For ist als Warnung gedacht: „They’ll let you play the game, son / But they’ll never let you win.“ Was den Kampf der Gallagher Brüder angeht, muss wohl jede*r Hörer*in selber entscheiden, wer als Sieger hervorgeht. Für Noel Gallagher steht auf jeden Fall fest: „Ein Album wie "Who Built The Moon?" wäre mit Oasis in hundert Jahren nicht möglich gewesen.“

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

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Anspieltipps

  • The Man Who Built The Moon #10
  • She Taught Me How To Fly #5
  • Holy Mountain #2
  • It’s A Beautiful World #4
  • Black And White Sunshine #7

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