Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 38/2017

Albumcover

Action Bronson
Blue Chips 7000

Für sein neues Album ist Action Bronson wohl in eine Zeitmaschine gestiegen. Das erklärt zumindest die Retro-Vibes, die Blue Chips 7000 verströmt. Es ist der dritte Vertreter in der Blue-Chips-Serie und Bronson hat dabei nicht verlernt, bis drei zu zählen, sondern er möchte damit einfach ausdrücken, wie toll Blue Chips 7000 seiner Meinung nach geworden ist. Zumindest eines hat sich nicht verändert. Action Bronson baut auch auf dem neuen Werk liebend gerne Samples in all seine Songs ein. Die stammen dabei nicht nur von alten Funk-Tracks der Siebziger, sondern werden auch von dem Rapper aus Queens zusammen mit seinem Produzenten Alchemist auf der ganzen Welt zusammengesucht

Bronson kombiniert die Sample-Loops dann mit seinem selten Atem holenden Sprechgesang. Übergeordnete Themen des Albums, wenn man überhaupt davon sprechen kann, sind wohl Drogenkonsum und die Leidenschaft des Rappers für Essen. Mit letzterer hat Bronson durch zwei Shows auf dem Fernsehnetzwerk Viceland wohl so viel von sich reden gemacht, dass viele ihn gar nicht mehr als Rapper kennen. So verwundert es auch nicht, dass etwa in Let It Rain sowohl Scampi als auch gegrilltes Hühnchen mit auf der Lyrics-Speisekarte stehen.

Ansonsten bestehen die Texte hauptsächlich aus Witzen und Wortspielen wie “Two pumps from the inhaler got me feeling like Lawrence Taylor” (The Chairman’s Intent) oder Bronsons Wunsch nach mehr Sportlichkeit in My Right Lung: „I'd give my right lung if I could dunk a basketball one time…“. Passend zum Songtitel gibt es dann auch schon mal Soundeffekte wie Wolfsgeheul am Ende von Wolfpack

Am kreativsten ist wohl La Luna, bei dem Bronson über die Warteschleife einer Autoverleih-Hotline rappt, die seiner Meinung nach einen besonders fetten Beat hat. Zusammen mit den teilweise sehr kurzen Songlängen und zufällig wirkenden Gesprächsschnipseln am Anfang wirkt Blue Chips 7000 manchmal so, als wäre es eher spontan und bekifft an einem Freitagabend entstanden. Das lässt die Songs aber auch weniger komplex erscheinen, kaum einer der Tracks macht so viel Eindruck wie Chairman’s Intent, bei dem mit Streichern ein gekonnter Stilbruch zwischen den Beat eingefügt wird.

Das Highlight des Albums sind die wirklich coolen Samples. Jedoch stellt Ausgabe 7000 damit auch keine Weiterentwicklung zu den anderen beiden Teilen dar, wie Bronson es angekündigt hat, sondern es ist eher more of the same. Das heißt nicht, dass Blue Chips 7000 schlecht geraten ist, es macht auf jeden Fall Spaß, zuzuhören und Fans des Rappers werden nicht enttäuscht sein. Mit der Beendigung der Blue-Chips-Serie kann man jetzt auch hoffen, dass sich Action Bronson wieder in unbekanntere Gewässer wagt. 

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

Homepage // Label

Anspieltipps

  • TANK #8
  • Chop Chop Chop #12
  • Let It Rain #6
  • La Luna #2
  • The Chairman’s Intent #3

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