Konzertschau

Winson (Radiokonzert) - Düsseldorf, Pretty Vacant
25. Mai 2006

Genau richtig war die Location im ehemaligen Coffy, jetzt Pretty Vacant, mitten in der Düsseldorfer Altstadt: Kellercharme trifft Berliner Schnauze. So wurde das Feld festgesteckt – zu Beginn erst mal Singles rausgeknallt und Publikumsanimation mit Sonnenbrille und Winsons zuckendem Tanzstil ließ die Leute warm und ihren Abstand zur Bühne immer kleiner werden. Angesiedelt zwischen Elektro, Disco-Punk-Rhythmen und Pop nickten schon bald die ersten Köpfe und Mitklopffüße zuckten. Winson überzeugt live einfach, denn er ist nicht nur Musiker, sondern auch Märchenonkel, der gerne mal Geheimnisse der Urban Legends lüftet, dass es versteckte Aussagen in Songs gibt, wenn sie nur rückwärts abgespielt werden. So singen nova international in „Roboterliebe“ nicht nur den Chorus „Liebe“, sondern auch rückwärts gehört auch „Debil“, was ja so ziemlich auf das Gleiche herauskommen würde. Zwischendurch immer wieder Geschichten, Geschichten über Songentstehungen und Geburtstagskinder in der Band, Absturzabende in der Düsseldorfer Altstadt mit Olaf O.P.A.L. während der Aufnahmen zu „So sah die Zukunft aus“ und Winsons Oma, die für die Lyrics zu „In die Augen“ verantwortlich ist. Mittlerwiele Standard bei Winson-Konzerten: die Einbeziehung des Publikums zum Beispiel in „Der Tag der Geldübergabe“ und bei „Wovon lebt eigentlich Peter?“ mit „Schicket Auto, schicket Auto, ALTAAA!“. Das überzeugte schließlich auch die Teile des Publikums, die nur zum „mal gesehen haben“ gekommen waren.

Der Rest des Konzertes kann nur in unscharfen Worten wiedergegeben werden und ergibt sich aus der Setlist (soweit wir sie entziffern konnten), die eine ausgewogene Mischung aus den beiden Winson-Alben und sozusagen ein Best-Of darstellt:

Frag die richtigen Leute

Liebeskummer

Sag Ja

Roboterliebe

In die Augen

Discomädchen

Wüste

Keine Polizei

Nie mehr schlafen

Winsonique

Zu schön

Liebesspielsalon

45 mal pro Minute

Wovon lebt eigentlich Peter?

Die Zugaben waren eigentlich mehr Erpressung, denn der imaginäre Backstage-Bereich liegt im Pretty Vacant irgendwo im oberen Bereich des Clubs und so hätte sich die Band erst durch die Zuschauer schlängeln müssen und man befürchtete, in Einzelteile zerrissen zu werden:

Auf die schnelle Tour

Anders

Wenn man jemanden erzählt, dass Radiokonzert Winsons sei ein Konzeptkonzert gewesen, werden 99 % mit dem Kopf schütteln und sagen, dass sowas bei Winson nicht möglich wäre. Aber alle anwesenden Gewinner der CampusRadios NRW werden dies bestätigen können, denn der Abend stand unter dem Motto: Kleine Fehler machen sympathisch. Immer wieder wurden falsche Knöpfe gedrückt, so dass Olli Schulz zu hören war, obwohl er noch gar nicht dran war, zwei Lieder mussten abgebrochen und neu begonnen werden...perfekt ist was anderes. Aber gerade diese Unzulänglichkeiten waren es, die das Konzert ausmachten, Winson seinen Berliner Charme versprühen ließen und sind wir doch mal ehrlich – perfekt ist verdammt langweilig, da kann man auch die Platte zu Hause hören.

Abschließend muss noch gesagt werden, dass Winson der einzige deutsche Künstler ist, der die Erlaubnis zum Stimme überschlagen hat, denn er hat’s einfach drauf! Hiermit also die goldene Ehrenplakette der CampusRadios NRW an Winson. Danke für diesen Abend!

PS: Wer’s verpasst haben sollte oder es noch mal hören will, der hat demnächst bei den CampusRadios NRW die Möglichkeit dazu.

(Sandra Zapke, CT das radio)

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