Konzertschau

Weller, Paul / Diane - Bielefeld, Ringlokschuppen
20. Oktober 2005

18.30 Uhr ist es, als am Dortmunder Hauptbahnhof die Kamikaze-Kats zusammentreffen: Ab auf die Autobahn Richtung Bielefeld, natürlich mit Wegbeschreibung im Gepäck. Als wir an der Abfahrt Bielefeld-Zentrum die Bahn verlassen, stellen wir schnell fest, dass „immer weiter geradeaus“ ein dehnbarer Begriff sein kann. Sind wir überhaupt noch richtig? Aber dann ist irgendwann der Ringlokschuppen ausgeschildert und alles ist gut. Überflüssiger Ballast wird im Auto zurückgelassen, rein ins Venue und allgemeine Begeisterung macht sich breit. Toller Laden, schicke Bars und jede Menge billige Engländerinnen, wie wir lachend feststellen. Das Bier ist auch kalt und lecker und während wir an der Bar lungern, spielt Diane ihren letzten Song. Leider nix von ihr gesehen, aber eigentlich sind wir ja eh nur wegen Herrn Weller da.

Also ab in die Halle, um kurz nach 21 Uhr geht das Licht aus und vier Gestalten kommen auf die Bühne: Drummer Steve White, Ex-Ocean Colour Scene Bassist Damon Minchella, Ocean Colour Scene Gitarrist Steve Cradock und natürlich Mr. Weller himself, gekleidet in ein graues Shirt und dem obligatorischen Schal. Gestartet wird mit ´Paper Smile´ vom aktuellen Album ´As Is Now´, gefolgt von ´Hung Up´. Weller macht´s geschickt. Er mischt alte und neue Songs zusammen, so kann jeder mitsingen und sich von den neuen Songs überzeugen lassen. Überraschenderweise kommt der Klassiker ´Wild Wood´ diesmal schon sehr früh, aber schon nach den ersten Klängen stellt sich meine übliche Gänsehaut ein. Genauso bei ´You Do Something To Me´, hach, das sind doch so richtige Klassiker!

Zwischendurch wird es so richtig heimelig, denn Weller spielt einige Songs vom neuen Album akustisch. Dann setzt er sich ans Piano, um ´Wishing On A Star´ und ´The Pebble & The Boy´ zu spielen, ´A Song About Getting Old´, wie er ihn ankündigt. Ich lasse mich treiben und bin mal wieder begeistert, dass der Herr Weller auch noch mit über 40 weiß, wie eine gute Show sein muß. Jeder Song wird vom Publikum frenetisch beklatscht und nach knappen 1 ½ Stunden verläßt die Band die Bühne, um kurz danach für 5 Zugaben wiederzukommen. ´Broken stones´ verbreitet Urlaubsstimmung und dann erklingen die ersten Takte des alten Style Council Krachers ´Shout To The Top´. Uns hält nix mehr, wir tanzen was die Füße und Hüften hergeben, während der Mittvierziger neben mir leicht panisch reagiert.

Einziger Wermutstropfen: Es gibt keinen einzigen alten The Jam Song und das haben wir den Menschen in den ersten paar Reihen zu verdanken, die die ganze Zeit danach schreien. Erst heißt es noch freundlich: ´Listen, We Don´t Play Requests´, aber dann poltert Weller los: ´I´m Playing These Fucking Songs For Over 25 Years, If You Want To Hear Them, Buy Yourself A CD´. Ja, da ist es das vielzitierte Weller-Temperament.

Egal, ´Sunflower´ beendet nach über 2 Stunden ein gradioses Konzert. Schon auf dem Weg zum Auto geht die Schwärmerei los, das ist ganz sicher eines der Highlights dieses Jahres. Wer Paul Weller noch nie gesehen hat und sich für seine Musik erwärmen kann, der sollte das schleunigst nachholen. (Katrin Jungmann, CT das radio)

PS: Und Katharina, wann zeigen wir den Engländern denn mal das ´German Zipper System´? Die hatten ja so einige Probleme damit... Spätestens beim nächsten Weller Konzert, oder?

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