Konzertschau

Tomte / The Kilians - Stuttgart, LKA
28. März 2006

Thees Uhlmann ist ein Zauberer. Er zaubert Lächeln auf Gesichter. Am 29. März haben Tomte im LKA wieder einmal unter Beweis gestellt, was für eine gute Live-Band sie sind.

Hoch geschlossene Lederjacke, Gitarre in der Hand und eine schelmisches Grinsen auf dem Gesicht, so kennen wir Thees Uhlmann auf der Bühne. Er ist nicht nur Musiker sondern auch Entertainer, erzählt gerne mal die ein oder andere Geschichte, sei es von seinem Hund oder beinahe- Unfällen vor dem LKA.

Doch jetzt mal schön von vorne. Als Vorband hatten Tomte die sehr jungen „The Kilians“ aus dem Ruhrpott dabei. Von ihrem Schuldirektor beurlaubt um mit Tomte auf Tour gehen zu können, wurden sie beauftragt, den Ruf ihres Gymnasiums in die Welt zu tragen. Und zumindest ihren Musiklehrern machen sie alle Ehre. Referenzen zu den Strokes waren weder optisch noch akustisch zu verleugnen, doch hat diese Band durchaus Potenzial ihren eigenen Stil zu finden und nicht wie so viele andere Teenie-Bands in der Kopierhölle stecken zu bleiben. Ihre Songs haben diese frische Unverdorbenheit voll jugendlichem Optimismus und einem Hauch Rebellion, den sie sich hoffentlich bewahren können. Auf der Bühne fühlten sich die fünf schon sichtlich wohl und wickelten das Publikum im Handumdrehen mit Charme und Songs um den Finger.

Dann traten Tomte zu ihrem ersten Konzert in Stuttgart an. Bis Esslingen hatten sie es schon mal geschafft, in der Landesmetropole selbst waren sie aber noch nie. Und die Stuttgarter belohnten es, sie endlich mal bei sich zu haben. Thees schloss das außergewöhnlich ruhige, ausgeglichene Publikum, das lieber Wort für Wort mitsang als ihn durch unqualifizierte Zwischenrufe zu nerven (seit Heidelberg wissen wir ja, dass er darauf empfindlich reagiert) schnell in sein Herz. Die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit und weder Publikum noch Band wollten das Konzert zu Ende gehen lassen. So spielten Tomte zwei Stunden lang Neues, Älteres und ganz Altes. Sogar Klassiker wie „Wilhelm das war nichts“ und „Korn & Sprite“ wurden ausgepackt. Das Wundersame dabei: die meisten konnten mitsingen! Ein eindeutiges Zeichen, dass der Großteil des Publikums nicht erst mit „Buchstaben über der Stadt“ zur Fan-Gemeinde gestoßen ist. Ganz im Gegenteil. Manchmal hatte man fast den Eindruck, dass sich die meisten über die Old-School-Sachen mehr freuten als über die Songs des „Albumcharts-Platz-4-Einsteigers“.

Doch Thees wäre nicht Thees, wenn er uns nicht zwischen den Songs mit kleinen Geschichten erfreut hätte. So klärten wir dieses Mal z.B. was ein Spray-Kommander ist (und dass sein Hund nicht mehr in den Genuss gekommen ist, einen solchen zu tragen) und wurden Zeugen des Wiedersehens von Thees mit seiner allerersten Freundin, die überraschend im Publikum war, was den sonst so coolen Uhlmann kurzzeitig aus dem Konzept brachte. Einer der Höhepunkte des Abends war auf jeden Fall die erste Zugabe, als Thees allein auf der Bühne und nur mit Akustikgitarre bewaffnet 48 Stunden von Kettcar coverte. Da wünschten sich wohl einige, dass der Abend nie zu Ende gehen möge. Doch irgendwann mussten sich auch Tomte verabschieden, doch da Thees meinte, dass auf einem Platz in seinem Herz nun Stuttgart an der Wand stehe, dürfen wir sie vielleicht bald mal wieder hier begrüßen. Und wer nicht so lange warten will, hat sowohl bei Rock am Ring als auch auf dem Melt! und dem Immergut Festival die Chance, sie zu sehen. Ich sage: Ergreift sie! Das Lächeln ist immer noch auf meinem Gesicht und wird da wohl auch noch eine ganze Weile bleiben.

(Katharina Kurz, HoRadS)

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