Konzertschau

Strokes, The - Palldium, Köln
26. Juni 2006

Ein bisschen porno sah der Typ schon aus, der auf einmal mit seinen versoffenen Kumpanen auf der Bühne stand. Eng anliegende Hosen, schwarze Motorrad-Sonnenbrille, Unterhemd und Schnauzer - eben die alte Bad Cop-Nummer aus schlimmen 80er Jahre Sexfilmchen. Oder wenigstens, wie man sie sich vorstellt. Neben ihm eine bratzende Flying-V mit einem verlebten Typen, den man zuletzt auf dem lokalen Dorffest gesehen geglaubt hat. Überhaupt machte die Truppe einen äußerst überlegenen Eindruck mit ihren Versuchen, mit schwuchtelig anmutendem Hüpfschwung und Blankziehen (obenrum) ihre Coolness unter Beweis zu stellen und die spärlichen Ansagen wie "Fucking beste Crowd ever" (Gähn) und "Germany leckerste Mädels der Welt" (Doppelgähn) hätten mit ihrem Rock´n´Roll-Schmalz locker genügend Brot für die komplette Dritte Welt schmieren können. Musikalisch kredenzten sie ganz nebenher süffigen Riff-Rock mit Blueseinschlag - tausendfach gehört, tausendfach gegähnt. Die Überraschung war perfekt, als die Strokes den Support als die Eagles Of Death Metal outeten. Kann ja mal passieren.

Die Strokes als 30 Euro teure Band (55 Euro, wenn man den T-Shirt-Faktor mit einrechnet) wurden daraufhin von den 4000 eng an eng gestapelten und äußerst begeisterungsfähigen Kölnern im ziemlich ausverkauften Palladium noch sehnlicher erwartet. "Juicebox" setzte gleich zu Beginn das erste Häkchen hinter Mädels-zum-Ausrasten-bringen und in diesem Tempo ging es stetig weiter. Keine Worte, kurze Songs. Riffs wie Maschinen, die auf den Vintage-Gitarren aber genug Wärme abstrahlen, um riesengroße Euphoriehormone durch das erstaunlich weibliche und überaus junge Publikum zu wirbeln. Minimaler Aufwand, maximaler Erfolg. Die Strokes sind ja bekanntlich gewiefte Kerle, die vermutlich auch in der Wirtschaft mit ihren simplen, aber hochwirksamen Konzepten an der Spitze stehen würden. Die Spitze des Retro-Muckertums, die NY-Variante des schlurfigen Tanzsounds, haben sie hingegen ja quasi selbst erfunden und laben sich ausgiebig an der Essenz ihres Schaffens - was so ziemlich das komplette Debütalbum ausmacht. Und so reiht sich brav Hit an Hit, bis man leicht schwindelig gespielt sich schon dabei ertappt, zu überlegen, ob das abgehackte Riff nicht vorhin bereits dabei gewesen war.

Das neue Album stand natürlich auch im Mittelpunkt der regenbogenkräuselnden Farbdioden, die reihenweise die Bühne kirmesmäßig ausleuchtete: "Ask Me Anything" gab´s als säuselnde Ballade, die anfangs schlagermäßig vom eifrigen Publikum totgeklatscht wurde, "You Only Live Onces" hingegen funktionierte prächtig. Zwischendurch wähnte man einen erbärmlichen Anflug von Drumsolo, den Fabrizio aber auf seinem durchsichtigen Kit doch schnell unter seiner Achselhöhle verschwinden ließ. Schließlich sind die drei Mannen und Frau an der Zweitgitarre sowieso nur Staffage für den schmucken Julian C., der seine Frontposition mit der nötigen Arroganz und Anbiederung erfüllte. Die Fuck You-Attitüde steckt inzwischen zwar in der selben Tonne, durch die er permanent zu krakeelen scheint (für den nötigen Drecks-Sound, you know), aber die Zwischeninfos beschränken sich weiterhin auf zwei crazy Ansagen, wie crazy die Crowd mal wieder sei. Diese schwitzte und feierte selbstredend daraufhin noch ein bisschen ausgelassener.

Und wer so crazy geht, für den gab es sogar mit "NYC Cops" und "Take It Or Leave It" noch zwei leckere Bonbons als Zugaben eines erstaunlich langen Sets - vielleicht auch, um ein bisschen die mangelnde Bühnenpräsenz der ganzen Band zu kaschieren. Aber man wusste ja, worauf man sich einließ: Ein Liveauftritt, der wie immer nichts versprach und genau das einhielt. (Markus Wiludda, eldoradio*)

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