Konzertschau

Starsailor / Architects - Köln, Gloria
10. Oktober 2005

Die halbe Popwelt sprach noch vom exklusiven Robbie-Williams-Vorabkonzert, das sich am Vorabend in Berlin zugetragen hatte. Hatte Mr. Williams 7000 Karten binnen kürzester Zeit abgesetzt, konnte man Karten fürs exklusive Starsailor-Vorabkonzert auch noch an der Abendkasse erstehen. Das Gloria in Köln (ein sehr lauschiger Club in einem ehemaligen Kino) war zwar relativ gut gefüllt, aber eben nicht wirklich voll. Genug Platz zum Atmen und Tanzen also.

Die Vorband Architects wird man sich merken müssen. Nicht unbedingt, weil ihr Indie-Pop so überragend wäre (er ist überwiegend nicht mehr als nett), aber weil die Band mit ihrem Debütalbum 2006 sicher ähnlich einschlagen wird wie Keane oder zumindest Athlete. Harmloser Mädchenpop aus England eben.

Spötter würden dasselbe natürlich auch von der Hauptband des Abends behaupten. Kam das Starsailor-Debüt vor vier Jahren im Windschatten von Travis und Coldplay, schlug das englische Quartett 2003 mit "Silence Is Easy" deutlich rockigere Töne an. Los ging es aber erst mal mit einem ganz neuen Song: "Counterfeit". Typisch Starsailor irgendwie, aber auch eher in Richtung des Zweitwerks. Das Publikum jubelte zwar, aber das Eis war noch nicht gebrochen. Dafür brauchte es allerdings nur zwei Takte "Poor Misguided Fool". Sänger James Walsh, der im Verlauf der letzten Jahre vom schüchternen Jungen zur veritablen Rampensau mutiert ist, hat den Laden voll im Griff. Er redet viel, scherzt mit dem Publikum und reagiert sogar auf Liedwünsche aus dem Publikum - wenn er denn noch wüsste, wie der gewünschte Song ging.

"Four To The Floor", die Disco-Nummer, die sich sogar im deutschen Formatradio festsetzen konnte, kommt etwas stolpernd daher, aber gerade bei den neuen Songs ist die Band hochkonzentriert. Manchmal erinnern die Stücke mit Backgroundgesang und Gitarrenrauschen an U2, aber glücklicherweise an U2 zu ihren besten Zeiten. Mit "Good Souls" (ebenfalls vom Debüt "Love Is Here") endet das knapp einstündige Set. Erste Zugabe ist "In The Crossfire", die erste Single vom neuen Album "On The Outside";. Sie erscheint repräsentativ für das neue Material: rockig, hymnisch und textlich sehr politisch. "I Don´t See Myself When I Look At The Flag / Thank God For That" schmettert James Walsh und die Fans, die die Nummer natürlich schon kennen, singen lauthals mit. Mit "Silence Is Easy" endet ein kurzes, souveränes Vorab-Konzert, das in einigen Momenten geradezu magisch wirkte.

Die Band hatte ihren Spaß, das Publikum sowieso und als Erkenntnis des Abends nimmt man mit: Sollen sich die ganzen Friseusen doch auf Coldplay-Konzerten rumtreiben. Wir haben dafür Starsailor in den kleinen Hallen. Und die klingen wenigstens nicht wie die Simple Minds. (Lukas Heinser, CT das radio)

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