Konzertschau

Splash 2003 (Festival)
13. August 2003

Wenn ein Großereignis wie der Splash - "Europas größtes Hip-Hop und Reggae-Festival" sich bereits zum sechsten Mal jährt, ist die Gefahr nicht gering, dass es langsam aber sicher seinen Reiz verliert.
Zu normal scheint es einem inzwischen fast, dass das Team um das Chemnitzer Label Phlatline Records Jahr für Jahr ein Line-Up an den Oberrabensteiner Stausee holt, das sich länger liest als eine Bild-Ausgabe, wenn man eine solche denn lesen würde.
Doch schon bei der Auffahrt auf das riesige Parkplatzareal am Donnerstagabend wussten wir: dieser Splash wird ein guter Splash.
Keine Minute Stau, hervorragend für eventuell auftretende Jahrhundertfluten präparierte Böden, ein gut funktionierendes Leitsystem und Fußwege zum Zeltplatz, die endlich auch für Menschen ohne Ambitionen auf einen Medaillenrang beim olympischen Gehen problemlos bewältigt werden konnten.
An den Zeltplatztoren angekommen setzte sich der erste positive Eindruck fort: anstatt penetrant Rucksack-kontrollierender und somit endlos-Warteschlangen-erzeugender Security-Nazis, waren dieses Mal Wachmänner am Start, die das machten, was sie aus Sicht eines Festivalbesuchers machen sollen: Bändchen an- schauen und durchwinken.
Also rein, Zelt aufbauen, Grill anwerfen, Dosenbier trinken und sich freuen, dass der Splash nicht in Bayern stattfindet.

Am Freitagmittag dann der wirkliche Kick-Off des Festivals. Bei glühender Hitze, die auch an den Folgetagen ihre verschwitzte Hand über dem Splash halten sollte, machte man sich auf, das eigentliche Konzertareal zu erkunden und war froh, dass Ände- rungen, die gegenüber dem Vorjahr sichtbar waren, zumeist viel Sinn machten: endlich wieder ein Dancehall-Zelt neben den
üblichen After-Show-Areas für Rap- und Drum´n´Bass-Fans, ein Skatepark, der nicht nur von der Gestaltung her Standards setzte, sondern zudem noch als Halbinsel über dem direkt im Festivalgelände liegenden Stausee thronte, Grafittiwände, bei denen auf Quali- statt Quantität gesetzt wurde und das Finale der ITF-DJ-Weltmeisterschaften.
Aber leider zu wenige Plattenläden für Freunde jamaikanischer 7inches.

Track One. Dafür gab´s bereits am ersten Tag u.a. L.M.S., Junior Reid und die "Boyband" T.O.K. live zu sehen. Nice ones.
Doch eigentlich gehörte der Freitag dem Hip-Hop: v.a. De La Soul, Gang Starr und die Beginner wurden sehnlichst erwartet.
Als sie da waren, machten die Amis dann das, was sie live meistens machen: viele Call-Response-Sachen, wenig Musik.
Und das nervte besonders bei Gang Starr. Dass MC Guru einen Plattendreher, der Premier heißt, dabei hat, sollte man eigentlich von Hause aus, spätestens aber nach dem fünften "What´s my DJ´s name?" auch im zugedröhntesten Zustand begriffen haben.
Aber dann die Beginner - say "hell yeah!": Mit einem fast-zwei-Stunden-Mix aus Uralt-Stücken wie "Natural Born Chillas" oder "Dies ist nicht Amerika", Bambule-Hits à la "Füchse" und "Das Boot", Solostücken von Jan Delay und Denyo 77 plus neuen Krachern von der upcoming LP "Blast Action Heroes", zeigten sie eindrucks- voll, dass sie sie meilenweit von "der Routine irgendeiner deutschen Rapkapelle" entfernt sind und sicherlich auch in Zukunft im deutschen Rapgeschäft "überleben wie Magic Johnson".
Nach dem Beginner-Gig hätte der Splash also eigentlich auch schon wieder aus sein können. Es war klar - besser geht´s nicht.
Aber auch die folgenden zwei Festivaltage konnten sich sehen und hören lassen.
Track Two. Vor der Reggae-Bühne bot sich an ihnen meist ein Bild, das sich am Besten mit einem Feinkost Paranoia-Zitat beschreiben lässt: "Frauen im Bikini shaken ihr´n Ass, schau´n guad aus, Luft voll mit Weed und Sex".
Besonders bei Ward 21, Degree und der Sam Ragga Band (inkl. einem furiosen DJ Tomekk-Diss von Herrn Jan Delay) brannte am Samstag der wohl riechende Himmel über Oberrabenstein.
Auf der Hip-Hop-Bühne wirkte Gentleman am selben Tag ungewohnt uninspiriert, dafür sagte Redman dieses Mal nicht kurzfristig ab und lieferte zusammen mit Erick Sermon eine ordentliche Show.
Ein paar Stunden später stieg er im Dancehall-Tent sogar noch einmal auf die Bühne, um zusammen mit Samy Deluxe, das Pow Pow Movement Soundsystem verbal zu unterstützen. Big Up.

Track Three. Am Sonntag konnten dann insbesondere Warrior King auf der Reggae- und Slum Village auf der Hip-Hop-Bühne überzeugen.
Dead Prez sagten leider ab. Schade. So oft wird man sie in deutschen Gefilden wohl auch in Zukunft nicht erleben dürfen.
Um Mitternacht war dann Zappo, Curfew, Sense.
Suboptimal für alle, die auch nach drei Tagen des Feierns noch nicht überdrüssig waren.
Einige Dummköpfe, meinten dann auch, ihren Fick-deine-Mutter-Berlin-Gangster-Attitüden und anderen überschüssigen Energien dadurch Luft machen zu müssen, diverse Zelte, Müllhaufen oder Dixies abzufackeln. Das nervt.
Weil das nix mit dem zu tun hat, was der Splash eigentlich sein sollte: ein fried-
volles Aufeinandertreffen von 25.000 Rap-, Reggae- und anderen Heads.
Auch in der letzten Nacht.
Bei der Abreise am nächsten Morgen kam es zwar dann doch noch zu unvermeid-
baren Staus, aber generell lief wieder alles ohne größere Probleme ab.
Outro. Respekt an die Veranstalter, die hoffentlich auch im verflixten siebten Jahr 2004 wieder ein schönes Splash-Festival auf die Beine stellen.
Dann vielleicht auch wieder mit ein paar Künstlern aus dem Münchner Raum.

(Tobias Huber, kanal c)

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