Konzertschau

Sparta - Berlin, Columbia Club
20. August 2007

Der Columbia Club in Berlin ist gut gefüllt. Draußen ist es schon wieder etwas kühler geworden, aber die Garderobe hat geschlossen. Wenn man jetzt schon gewusst hätte, wie heiß es später bisweilen im Columbia Club zugehen würde, und wie wenig überzeugend doch der heutige Support sein würde, ja dann, dann hätte man doch lieber noch mal eben seine Jacke nach Hause gebracht. Aber da Hellseher, genau wie Garderobenpersonal, nicht verfügbar waren, musste man mitansehen, wie wahlweise Select Your Fighter am Sound, oder an oft fehlenden neun Ideen scheiterten. Einzig der wirklich innovativ und auf hohem technischem Niveau spielende Drummer, haut den ansonsten schwachen und eher einseitigen Support ein ums andere mal so halb raus.

Die Band, wegen der die Leute gekommen sind, ist Sparta. Und die haben mit dem letzten Album „Threes“ einige neue Freunde gewonnen, den Reaktionen zufolge machen diese heute 50% der Anwesenden aus. Die Vorraussetzungen für einen gelungenen Abend sind mit dieser guten Mischung aus eingefleischten Fans und hungrigen Neueinsteigern geschaffen. Und Sparta sorgen dafür, dass heute aus 2 x 50% mindestens 130% Energie entstehen. Diese geht zuerst einmal von der Band aus. Die Dichte und die Kraft, die alleine der Opener „Untreatable Disease“ in jeden Milimeter Columbia Club schleudert, ist mit Worten kaum angemessen zu beschreiben. Spätestens jetzt sind alle Nörgler, die „Threes“ als Sparta in weichgespült betrachteten, eines besseren belehrt. Hier steht eine Band auf der Bühne, deren Leidenschaft zur Musik greifbar scheint, die aber trotzdem jederzeit nahbar und menschlich wirkt. Sie schwitzen, sie leiden, sie haben Spaß und sie geben alles. Der kleine Graben zwischen dem höchstens obligatorischen Mini-Wellenbrecher und der Band kann nicht verhindern, dass mit zunehmender Dauer des Konzerts mehr als nur einer der auf der Bühne geschlagenen Funken auf die Masse vor der Bühne überspringt. Nach geschätzten 25 Minuten brennt es vor der Bühne schon lichterloh. Einige nicht lernfähige versuchen immer wieder sich über die Menge tragen zu lassen, fallen, und versuchen es erneut. Doch auch der ein oder andere Tritt gegen den Kopf kann heute niemanden ernsthaft von dem ablenken, worum es hier geht, die Musik. Und die bewegt sich auch im weiteren Verlauf auf gleichbleibendem Niveau. Ältere Hits wie „Sans Com“ oder „Cut Your Ribbon“ werden gefeiert, das dynamische „Unstitch Your Mouth“ und das erst zurückhaltende, dann emotional ausufernde „Translations“ sorgen für Gänsehaut. Die Gitarren von „Taking Back Control“ werden den Anwesenden noch lange durch die Ohren sausen und „The Most Vicious Crime“ ist schlichtweg ergreifend und heute unter unzähligen überragend vorgetragenen Songs der absolute Höhepunkt. Beim abschließenden „Atlas“ lässt Sänger Jim Ward das Mikrofon links liegen, tritt an den Rand der Bühne, und animiert zum gemeinsamen Singen der Schlusszeile. Am Rand der Bühne, und am Rande zum perfekten Rockkonzert. (Sven Riehle, eldoradio*)

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