Konzertschau

Soulwax / Sometree - Bochum, Matrix
1. September 2004

Ein Ereignis der besonderen Art sollte es werden. Eine Show, die begeistert und den Pioniergeist der belgischen Progressivrocker unter Beweis stellt.
Schließlich hatte die Band mit „Any Minute Now“ ein Manifest vorgelegt, an dem sich kommende Alben messen lassen müssen. Die Latte war auf Anschlag oben. Knackende Elektronik, manchmal emotional unterspült nebst rockenden Statements. Ein visionärer Mix – und das aus dem betulichen Belgien. Schubdüsen-Tech-Funk halt. Und nicht unverdient bei allen relevanten Magazinen mit Lobhudeleien und der besonderen Ehre des Silberling des Woche ausgestattet.

Mit Spannung wurde also das erste Deutschlandclubkonzert des Jahres erwartet. Wie werden die unterschiedlichen Ansätze ihren Platz auf der Bühne finden?
Zunächst wurden die Besucher ein wenig auf die Folter gespannt. Sometree versuchten ihr Bestes, gaben Gas und drückten ebenso schnell wieder auf die Bremse. Für ungeübte Zuhörer sicherlich eine unlösbare Aufgabe, die mit reichlich Desinteresse abgegolten wurde. Generell ließ der Zuschauerandrang den Veranstaltern Tränen in die Augen treiben – weniger als 250 Gäste fanden an diesem Donnerstag den Weg in die Bochumer Matrix.
Daraus resultierend war die Stimmung von Anfang an wenig euphorisch. Nur wenige Hände reckten sich gen Ziegelsteine, nur wenige ließen sich auf die dumpf treibenden Beats ein.

Und dies fand seine Fortsetzung auch bei Soulwax. Engagiert und druckvoll der Anfang. Schnell wurden Hits wie „Any Minute Now“ und „Much Against Everyone´s Advice“ den Hörern um die Ohren gehauen. Der ekstatisch Drummer trieb die Band nach vorne – der Gesang des Dewaele-Bruders blieb dabei unangenehm unbeteiligt, was nicht zuletzt auch an der mangelhaften Soundqualität lag. Die überraschend kompakt verstrickten Songs des neuen Albums entfalteten live noch kräftiger und aufregender ihre Qualitäten und erreichten den Höhepunkt bei „Compute“. Die elektronischen Querulantien wurden dem Bandkonzept dabei immer untergeordnet und erschienen nicht so auffällig wie auf dem aktuellen Album. Es waren eher die Gitarrenparts, die für manch eine Verstörung im Publikum sorgten.
Präzise auf den Punkt gebracht, aber gesamtheitlich doch nicht gleichmäßig überzeugend. Bis auf den engagierten Drummer ließ die Band über die gesamte Strecke Spiel- und Einsatzfreude vermissen, derweil die Bühnenansagen sich auch nur auf das Minimum beschränkten.
Und als das Publikum etwas aus der Lethargie (vor Begeisterung oder Langeweile?) erwachte, kam auch jäh das Ende. „No Encore“ – so klang es von der Bühne und so war die Beifalls-Motivation auch auf dem Tiefpunkt. Nicht einmal 45 Minuten waren einfach viel zu wenig.

Man sprach von der Arroganz der Bandmitglieder, von der Souveränität und Leichtigkeit derart großartige Songs zu schreiben. Die Enttäuschung aber übertünchte in diesem Moment alle positiv-ermunternden Gedanken. Mit vereinzelten Zugabe-Rufen und hoher Fluktuationsquote an die Tresen blitzte das Neonlicht auf.
Mehr war nicht zu erwarten. Und das bei solch hoch gesteckten Erwartungen.

(Markus Wiludda, eldoradio*)

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