Konzertschau

Snow Patrol - Stuttgart, Theaterhaus
8. Februar 2007

Bei fast frühlingshaften Temperaturen hatten Snow Patrol eher weniger mit Schnee zu kämpfen und konnten sich daher bei ihrem Besuch im Theaterhaus am 8. Februar ganz auf die Musik konzentrieren. Wäre ja auch eine Schande, diese Jungs Schnee schippen zu lassen.

Ja, mit dem Schnee war das dieses Jahr ja bisher so eine Sache. Entweder er zeigte sich gar nicht - ganz zum Leidwesen der Wintersport-Fanatiker - oder er überraschte uns gleich in Massen, was wiederum die Autofahrer missmutig stimmte. Aber egal ob Fans oder Hasser der weißen Massen, in einem waren sich die Besucher des Theaterhauses am 08.02. einig: diese Sorte Schnee ist immer gerne gesehen. Snow Patrol, Indie-Pop-Band aus dem hohen Norden Großbritanniens, waren zu Gast.

Eröffnen durfte die Ein- bzw. Zwei-Mann-Show von Scott Matthews – Alleinunterhalter, Musiker und Ruhe in Person. Mit Country-Grooves und statt mit einem Revolver mit einer Gitarre bewaffnet versuchte er das Publikum in seinen Bann zu ziehen, ohne es dazu zu bringen, sich zu sehr zu verausgaben. Schließlich hatte man noch einiges vor an diesem Abend und da ein Großteil des Publikums entweder eingefleischte SWR3-Hörer oder Grays-Anatomy-Gucker und ihre Sprösslinge waren, (von ersterem wurde das Konzert präsentiert, für zweiteres wird in der Vorschau immerhin der wunderbare Snow Patrol Song „Chasing Cars“ verwurschtelt), war es wohl nur vernünftig, den Abend ruhig anzugehen.

Mit seiner Gitarre in der Hand auf einem Stuhl sitzend konnte Scott Matthews zwar nur einen kleinen Teil seines Publikums sehen, erkundigte sich dafür aber um so öfter nach seinem Wohlbefinden. Ansonsten wurde die Wild-West-Stimmung nur von der fast kindlichen Bewunderung Matthews für die großartige Erfindung Lautsprecher unterbrochen, kehrte mit der Ankündigung des letzen Songs, „Passing Stranger“, doch ganz schnell wieder in die karge Steppe und zu einsamen Helden zurück.

Wo Matthews auf Reduziertheit, leise Töne und eine minimale Bühnenaction setzte überraschte uns die Schnee Patrouille mit einer ausgeklügelten Light-Show und einer von dieser Band ungewohnten Lautstärke. Umbeben von farbig-blinkenden Lichtern, die ausgehend von kubischen Metall-Skeletten für eine sehr urbane Atmosphäre sorgten (für alle die sich wundern was der Verfasser hier sagen will- das Bühnenbild ähnelte einer Skyline) und den ersten Tönen von „Spitting Games“ betraten die Schneemänner die Bühne – und legten gleich so richtig los.

Wer hätte gedacht, dass Gary Lightbody und seine Bandkumpane so rocken können? Snow Patrol spielten sich nacheinander durch Hits des letzten und noch-nicht-ganz-Hits des neusten Albums, straight und ohne viel Gelaber. Von „How To Be Dead“, und „Chocolate“, den Geheimtipps von „Final Straw“, über neueres aber nicht weniger Gutes wie „Your All That I Have“ und „Headlights on Dark Roads“ von Album Nummer vier, „Eyes Open“, zogen Snow Patrol alle Register. Und einen ganz besonderen Bonus hatten Sie auch noch dabei – Martha Wainwright, als Schnee-Frau sozusagen. Das Duett von Lightbody und Wainwright sorgte nicht nur bei der Vielzahl an anwesenden Pärchen für tiefe Blicke.

Das wunderschöne „Set the Fire to the Third Bar“ war eine der wenigen Ruhepausen, die Snow Patrol ihrem Publikum gönnten. Und als am Ende dann doch noch „Chasing Cars“ von den Gitarrensaiten lief waren auch alle Grays-Anatomy-Fans zufriedengestellt. Doch nicht nur die Songs ließen Herzen höher schlagen, auch das charmante Lächeln Lightbodys sorgte hier und da für weiche Knie. Doch weiche Knie hin oder her, das Publikum war von der ersten Sekunde an dabei, hing an den Lippen des Lichtkörpers und sang jeden einzelnen Song mit – zumindest diejenigen, die nicht nur auf Grund der Pro7 Einschaltanimation gekommen waren.

Fazit des Abends: Tolle Songs, super Stimmung, hypnotische Lichteffekte und ein anbetungswürdiger schottischer Akzent. Wirklich ein Familienabend der anderen Sorte, aber ein durchaus gelungener. (kk, HoRadS)

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