Konzertschau

Shy Nobleman - Dortmund, FZW
25. Oktober 2006

"Hi! I´m Shy" - die Begrüßung, mit der Shy Nobleman fast jeden weiblichen Konzertbesucher in der Vorhalle des FZWs ehrte, entbehrte nicht einer gewissen innewohnenden Ironie. Wie auch! Hatte sich der Mann aus Israel extra für die Show in einen orangeblauen Retro-Jogginganzug mit Robbiel Williams-Schriftzug gekleidet. Aber genau diese Prise Selbstironie brauchte es, um aus diesem Konzert ein gutes zu machen.

Auf der Bühne. Shy hüpfte von einer Seite zu anderen, das Mikrophon in verfänglicher Position haltend und mit dem Elan, die knapp 35 Gäste in der viel zu großen Halle der Dortmunder Location perfekt zu unterhalten. Allein die Posen rangen den Besuchern schon so manche Lacher ab, ohne dass die Show in zu trashige Gefilde geriet. Die Songs seines zweiten Albums, was hier noch nicht einmal erschienen ist, wurden auch dank seiner souveränen Band in ausgelatschten 90er-Turnschuhen wesentlich rockiger und druckvoller gespielt. Zum Auftakt machte "2 Could Be Better Than 1" gleich klar, dass biederer Ernst sich an diesem Donnerstag nicht an den Türstehern vorbeimogeln konnte. Zu "Girlfriend" wurde passend klargestellt: er sein 29 und immer noch Single, da sollte man ein Auge drauf haben - bevor dann das Yeah Yeah Yeah des größten Hits der Band ertönte und zumindest die drei bestgelauten Mädchen in vorderster Reihe in Tanzlaune versetzte. Der Sound, inspiriert vor allem durch 60er Jahre Popbands wie den Beatles, aber auch durch Weezer und Co, wurde mit einem Augenzwinkern auch textlich immer wieder thematisiert. So scheute sich die Band auch nicht, mit klitzekleinen Hinweisen in ihren Songs auf "Yesterday", "Help" oder "My Way" ihrer Sozialisation den nötigen Platz einzuräumen - was spätestens beim "Lady Madonna"-Rip Off auch eh nicht mehr zu verleugnen gewesen wäre. Jedoch: mag auch der Klang nicht neu sein - die Songs waren besonders anfangs und zum Ende hin ausnahmslos Hits.

Einvernehmend war die tolle Show und die vielen Versuche der Interaktion mit dem Publikum, die in gefüllten Hallen schon hätte zur Ekstase reichen können: "Kömmt hier jemand aus....Halläh? Kämmniehtz? Oldenbuhrg? Vieläh Grüüßen von Lutz aus Oldenbuhrg an alläh!". Man musste der Band zu Gute halten, dass sie angesichts der spärlichen Besucher trotzdem alles gegeben hat. Im Zugabeblock wurde gar noch höher aufgetrumpft: Passend zur Deutschland-Tournee schrieben sie zwei ihrer Lieder auf deutsch um. Und so wurde aus dem Smasher "Animals" "Die Tiere" - mit hervorragend eingeblökten, eingemuhten und eingefauchten Höhepunkten, bevor die Band zum Abschluss zeigen konnte, dass auch sie den Rock´n´Roll im Blut hat. (Markus Wiludda, eldoradio*)
zer

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