Konzertschau

Scissor Sisters - Köln, Prime Club
20. April 2004

Ich gebs zu, das erste Mal, als ich durch Zufall beim Zappen auf das Video “Comfortably Numb” von den Scissor Sisters gestossen bin, war ich ziemlich geschockt. Was ist das denn? Doch, der ungewohnte Falsett-Gesang fand dann doch so nach und nach seine Wege in meine Gehörgänge und gefesselt vom Video, hab ich mir so gedacht diese "Durchgeknallten" müsstest du mal live sehn.

An einem Dienstag Abend dann im Kölner Prime Club ergab sich die Gelegenheit. Ein mitgebrachter New Yorker Club-Dj versuchte das Publikum mal mehr oder weniger gelungen auf das, was da kommen sollte vorzubereiten, nämlich Glamrock, Funk und Discosound vom Feinsten.

Ungeduldig erwartet und genauso schillernd, wie ich sie mir vorgestellt hatte, kamen sie dann auch auf die Bühne die Scissor Sisters: Jake Shears, Babydaddy, Ana Matronic, Del Marquis und Paddy Boom.

Ein bisschen sehen die fünf Scherenschwestern aus, als wären sie direkt einem Musical entsprungen oder aber aus irgendeiner schrägen stylo Gaybar New Yorks der 70er/80er Jahre. Sänger Jake Shears lief mit einem lila ledernen Patchwork-Latzhöschen rum, hauteng und wie es aussah mit komplett nix drunter versteht sich und machte rum mit Sängerin Ana, die mit Korsage, Rock, Lackstiefeln und angeschwultem Lederkap auch gut gewappnet war.

Los ging es mit "take your mama" und schon da zeichnete sich ab, es war eine eingeschworene Fangemeinde zugegen, die nicht nur mitgröhlte sondern auch noch den Laden tanztechnisch gut in Schwung brachte. So ungewöhlich wie die Sisters war tatsächlich auch das Publikum. Rocker, Mods, Indie-Nerds und Schwule glücklich vereint zu sehr tanzbarer, funky Musik, aber wer weiss, wen The Darkness vorher schon alles bekehrt haben...
Ein paar ruhige Feuerzeugballaden waren auch dabei mit „Mary“ und zum Schluss als letzte Zugabe noch „Return to Oz“. Und ebenfalls eine Coversion, eines alten Discoklassikers von Charisma „Magnifique“, der allerdings nicht wie von Jake behauptet aus Deutschland stammt. Was man allerdings schnell wieder augenzwinkernd verzeiht, wenn man bedenkt, dass die Sisters aus New York stammen und so mancher Amerikaner Europa für eins hält.

Alles in allem hat es gerockt wie Sau, war unterhaltsam und lustig (amüsant auch die billigen sexistischen oder „filthy“ Anspielungen Jakes und Anas) und vor allem ein gelungenes Konzert. Beim Melt sind die Scissor Sisters übrigens auch, unbedingt zu empfehlen.

Nina Knevels, hochschulradio düsseldorf

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