Konzertschau

Roberto Di Gioia’s Marsmobil – Köln, Yard Club
2. März 2005

Es ist die ’Kick-Off-Party’ der „night:breeze“- Veranstalter im Yard Club, der kleinen Venue im Gebäude der Kantine, irgendwo an der Peripherie von Köln. Während drüben in der Kantine die Ü30-Party ’tobt’, betreten die fünf Berufsjugendendlichen vom Münchener Marsmobil die Bühne, allesamt in weißen Astronautenanzügen mit Retro-Aufnähern und Namenschildern (eine Hommage an die 70er Science- Fiction- Filme à la Douglas Trumbull’s „Lautlos im Weltraum“, wie ich später im Internet nachlesen konnte). Keyboarder und Bandleader Roberto Di Gioia, der an diesem Abend unter dem Namen Jim zugegen ist, trägt ebenso eine Perücke wie sein ’Partner In Crime’ Samon Kawamura, a.k.a. Keith. Letzter steht an den Wheels of Steel und trägt einen rekordverdächtigen Afro: „Absolute blackness confirmed“!

Das Konzert beginnt ansatzweise so wie man es von Di Gioia’s lounge-igem Solo-Debüt „Strange World“ erwarten durfte – sphärischer Space-Jazz, wie man ihn auch aus dem Fernsehen von der Nils Wülker Group kennt. Angeschoben von den treibenden Grooves aus den Händen Andi Haberls entwickelt sich das Gehörte jedoch schnell in eine ’rockigere’ Richtung. Fast zwei Jahre nach der Veröffentlichung von „Strange World“ scheint Roberto Di Gioia für die Zukunft den Nu-Jazzigen Pfaden fürs erste abgeschworen zu haben. Selbst Tracks wie „Flowers“, welches die Jungs von Fauna Flash noch zum Jahreswechsel für die Sonar Kollektiv- Compilation „Secret Love“ ge-remixt hatten, erklingen an diesem Abend viel erdiger als die bekannte Albumversion.

Auch die neuen Stücke, die man an diesem Abend zu hören bekam, wussten allesamt zu überzeugen. Vor allem die zweite Zugabe hatte es in sich: ein extrem funkiges Brett, dass ein stückweit an die genialen Scissor Sisters erinnerte!!

An dieser Stelle sollen außerdem auch noch die unüberhörbaren Qualitäten der neuen Marsmobil- Sängerin Martine Rojina lobend erwähnt sein! Zusammen mit den Sitar- Einlagen Di Gioia’s und der improvisierten Stand-Up-Comedy-Nummer vom Nachwuchs-Beckenbauer-Double Andy Haberl machte Rojina’s Performance an diesem Abend definitiv Lust auf mehr. Zu schade das München so weit im Süden der Republik liegt; hiervon bitte mehr! (Felix Grimm, CT das Radio)

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