Konzertschau

Priestbird | KOM - Dortmund, FZW
16. April 2007

Es war Anfang 2006, als eine New Yorker Band namens Tarantula A.D. mit "Book Of Sand" für das erste große Albumhighlight des Jahres sorgte. Im Frühjahr gingen sie auf Europatour, wenig später lösten sie sich auf. Doch nun sind sie in alter Besetzung und unter neuem Namen wieder da. Tarantula A.D. ist tot, es lebe Priestbird. Und glücklicherweise schon wieder in Europa. Denn von ihrer Spielkunst und Klangqualität haben sie auch unter dem neuen Namen nichts eingebüßt.

KOM, mit Mitgliedern aus Dortmund, Düsseldorf und Münster, eröffnen den Abend. Diese Band sollte man sich unbedingt merken: Es ist schon sehr beeindruckend zu hören, mit welchem Talent und Finessen hier wunderbare Klangteppiche erzeugt werden, die trotz der Menge an Postrockbands, die es inzwischen gibt, unheimlich frisch und eigenständig klingen. Über kurz oder lang werden sich KOM in der ersten deutschen Liga des Postrocks fest etabliert haben. Um das vorhersagen zu können, muss man wahrlich kein Prophet sein. Nach diesem Auftritt, der irgendwie mehr als ein Appetithappen war, beginnt das Warten auf Priestbird.

Die drei lassen sich Zeit, bevor sie um halb elf endlich die Bühne betreten. 30, maximal 40 Zuschauer haben sich vor der Bühne versammelt. Natürlich ist das unangemessen wenig, vielleicht hätte sich die Band nach den tollen Konzerten mit recht guter Zuschauerresonanz im letzten Jahr etwas mehr erwartet. Aber das stört bei den ersten Tönen keinen mehr. Als ob Priestbird zeigen wollen, dass sie eben doch noch nicht ganz mit der Vergangenheit abgeschlossen haben, eröffnen sie mit dem alten Taruntala A.D. Song "The Century Trilogy I" inklusive dem für diese Epoche der Bandgeschichte so typischem Kontrabass, der auf dem neuen Album nur noch sehr selten zum Einsatz kommt. Die Augen der drei glitzern, die des Publikums auch. Von der ersten Sekunde an fabrizieren Priestbird eine ganz besondere Atmosphäre, die es schafft, und das kommt selten genug vor, sich ganz auf die Magie der Musik zu konzentrieren. Mit dazu bei tragen auch diese zauberhaften Kleinigkeiten, die die Band schon immer ausmachten und noch intensiver als auf den Alben herausgearbeitet sind. Nach dem Opener konzentrieren sich Priesbird auf das Material des neuen Albums. Jetzt sind die Unterschiede zwischen Vergangenheit und Gegenwart ihrer Musik deutlich wahrzunehmen. Orientierte sich das Trio bis zur Unbenennung noch zu gleichen Teilen an Postrock- Legenden wie Godspeed You! Black Emperor auf der einen und klassischen Komponisten wie Chopin auf der anderen Seite, dominieren nun progressivere Klänge, die eher an Led Zeppelin und Pink Floyd erinnern. Dieser kleine Stilwechsel zahlt sich aus, die Musik wirkt kompakter und vitaler. Es ist eine Freude zu sehen, wie aggressiv, aber dennoch sanft und gefühlvoll Priestbird der Musik Leben einhauchen. Wechsel zwischen laut und leise bleiben das wirkungsvollste Stilmittel in ihrem Repertoire. Besonders gut kommt dies bei den Highlights des Konzerts, "Smoke & Pain" und "Lif Not Lost", zur Wirkung. Der Sound ist durchgängig so perfekt, dass man vor Freude weinen möchte. Das ausschweifende und brodelnde "La Casa Blance" aus der EP "Atlantic" bildet den furiosen Abschluss des Abends.

Es ist einer Abende, die man wahrscheinlich so schnell nicht wieder vergessen wird. Weil Priestbird bewiesen haben, welch enthusiastische und hochbegabte Musiker sind. Weil man die Magie an diesem Abend mit den Händen greifen konnte. (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*)

http://www.priestbird.com | http://www.myspace.com/wwwkomkomnet

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