Konzertschau

Porcupine Tree - Köln, Bürgerhaus Stollwerck
11. April 2005

Zitat:„Scheisse!“

Und dabei hatte alles so gut angefangen.
Aber erst einmal ganz von vorne.
Also: Dienstag, der 12.04.05, mein Zimmer in Köln...

„Was steht heute auf dem Programm? Ah, „Porcupine Tree“.
Da war doch was…? Ach ja! Mein erstes Album das in der Funktion als Musikjournalist in Händen gehalten habe. Mehr als zwei Jahre ist es nun her. Trotzdem erinnere ich mich an meine Begeisterung ob der krassen psychedelischen Klangwände, die mich nach dem Einlegen der CD erwarteten.
Jetzt muss ich erst einmal mal eben kramen um es wiederzufinden...
CD rein, ab geht die Post. Fett produziertes Album! Da steht die Befürchtung im Raum, dass die Konzerttechnik da bei weitem nicht mithalten kann. Da muss ich nun die Erwartungen runterfahren um gleich nicht enttäuscht zu werden.

Ab in’s Bürgerhaus. Es sieht nach einer vollen Bude aus, kein Wunder, das Konzert ist ausverkauft.
Als ich in den Saal hereintrete wird mein Auge von schwarzen Massen und mein Ohr von Anklängen psychedelischer Musik getrübt. „Anathema“ spielen schon und scheinen einen sehr ähnlichen Stil zu fahren wie „Porcupine Tree“, jedoch, wie befürchtet, ist der Sound nicht gerade unübertroffen. Eine knappe Stunde spielt die Vorband und meine Ewartungen steigen langsam. „Anathema“ macht eindeutig Lust auf mehr!! Die Umbaupause dauert viel zu lange, auch wenn sie mit ein paar Videosequenzen versüßt wird. Nach der 583. Wiederholung (ja, ich habe mitgezählt!) gibt es einen Stimmungswechsel: Die Beleuchtung wird düsterer, die Backgroundmusik ändert sich, die Videoprojektion nimmt neue Formen an. „Porcupine Tree“ betreten die Bühne!!

Jubel strömt aus dem Publikum auf die Bühne und ich merke, dass die fünf Musiker hier in Köln sehr beliebt sind. Nach ein paar Akkorden ist auch klar wieso: geiler Sound; grandios inszenierte Stücke und überall kleine, große und wunderbare Soli von jedem.
Wenn der Drummer sich alle Zeit der Welt nimmt und auf seinem mit einem guten Dutzend (in Zahlen: 13!!!) Becken und 5 TomToms ausgerüsteten Schlagzeug ein Solo hinlegt wie ich es das letzte Mal auf „The Dark Side Of The Moon“ gehört habe, bin ich baff und genieße mit offenem Mund. Ich gestehe, es sieht dämlich aus und es passiert mir nicht oft, aber es hat mich einfach umgehauen.

Schöne, schlichte, manchmal agressive, immer aber absolut passende Harmonien und Klänge kommen aus der Ecke des Keyborders. Damit werden die Gitarrenklänge perfekt eingebettet damit diese sich richtig entfalten können. Bei „Porcupine Tree“ gibt es kein schnödes Geschrammel à la Punk-Rock-NewMetal-Bands, sondern es werden sinnvoll und stilsicher eingesetzte Klänge aus den Gitarren gezaubert.
Bei diesem Konzert herrscht kein hirnloses Gepoge sondern ernsthaftes Musik hören in einer Atmosphäre die keineswegs zum plauschen sondern Gänsehaut kriegen und Mitfiebern inspiriert.
Wie kann man dazu am Ende nur sagen? Ganz großes Kino! und das völlig audiovisuell...

Zitatende: „Scheisse! War das geil!“
(Cornelius Kämmerling, eldoradio*)

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