Konzertschau

Placebo / Slut - Berlin, Columbiahalle
10. März 2006

Ein kalter Freitag Anfang März in Berlin, seit Stunden regnet oder schneit es unaufhörlich, bitterkalter Wind pfeift. Der Platz vor der Columbiahalle reicht trotz der widrigen Wetterum-stände kaum aus, um die Menschenmassen zu fassen, die heute hier sind und auf den Einlass warten. Die Polizei muss zwischenzeitlich den Columbiadamm sperren, zu viele Leute wollen in die Columbiahalle und versperren damit die Fahrbahn.

o2 feierte den 1-jährigen Geburtstag seines Musicflashs, der Spontan-und-Gratis-Konzert-Aktion und hat sich deshalb eine Band der Superlative eingeladen, eine Band, die rund um den Globus geliebt und gefeiert wird und die gerade ihr neues Album herausbringt: Placebo! Passend zur Veröffentlichung von "Meds" am selben Tag hätte es kaum einen hochkarätigeren Act geben können. Und dementsprechend großer Andrang herrschte. Das erste Konzert in Deutschland zum neuen Album und dann auch noch umsonst! Die Freude hierüber sollte später in nicht abflauendem Applaus, Jubel und Crowdsurfen gezeigt werden.

Doch zunächst gaben Slut einen sehr würdigen Support, mit ihrer Interpretation der Dreigroschenoper. Eigentlich haben sie ebenjene ausschließlich im Theater Ingolstadt aufgeführt, doch für diesen einen Abend machten sie die Ausnahme, packten ihre Siebensachen und kamen nach Berlin. Die Überraschung war perfekt. O-Ton vor der Damentoilette nach ihrem Auftritt: "Wie kommt ne Indie-Rock-Band bloß auf die Idee eine Oper aufzuführen?" Ja, eben! Auch auf die knappe Stunde Support-Slot runtergekürzt zu werden hat dem Stück kaum wehgetan, schöne Sache, man darf also auf die bald erscheinende CD zur Oper gespannt sein.

Um kurz nach 22 Uhr kamen dann schließlich Placebo auf die Bühne und eröffneten mit dem Album-Opener "Meds" ihr Set. Auf Platte singt hier die großartige Alison Mosshart (The Kills) den Refrain, auch ohne Alison hatte der Song die Masse direkt im Griff. Begeisterte Men-schen sprangen und sangen von Anfang an alles mit. Das Album hatte zwar bereits bei Ver-öffentlichung am gleichen Tag Goldstatus (also 100.000 verkaufte Platten) erreicht, die Text-sicherheit der Fans lässt aber dann doch eher annehmen, dass der Album-Leak vor gut zwei Monaten von mehr Menschen bemerkt wurde. Das Set von knapp 20 Songs bestand dann auch größtenteils aus neuem Material, das trotzdem frenetisch gefeiert wurde. "Infra-Red" und "Drag" folgten dann in der Reihenfolge des Albums direkt nach, zwei Stücke die den typischen Placebo-Sound direkt in Blut und Beine bringen, und zwar nicht nur bei den Fans, sondern auch bei der Band selbst. Placebo wären aber nicht Placebo wenn das schon alles gewesen wäre. Bei "36 Degrees" coverten sie sich, um die eigene Qualität bewusst, selbst, präsentierten das Stück kurzerhand in bester Singer/Songwriter Manier. Mit "Bitter End" und "20 Years"; beendeten Placebo dann das Set. Die Zugaben wurden von einer weiteren Co-verversion angeführt, diesmal allerdings von Kate Bushs "Running Up That Hill" von der Bo-nus CD zur letzten Placebo-Veröffentlichung "Sleeping With Ghosts". Als letzten Song setzten Placebo einen wahren Höhepunkt und spielten das zuletzt schändlich verschmähte und schmerzlich vermisste "Nancy Boy". Alles gut, Freudentränen in den Augen, alle glücklich!

Naja, fast alle. Über 1.000 Leute mussten wieder nach Hause gehen, konnten nicht mehr in die Halle, die nach dem Motto "Rein kommt, wer früh kommt" um 21 Uhr, trotz vorgezoge-nem Einlass, bereits aus allen Nähten platzte. Wer beim nächsten o2 Musicflash nicht zu diesen 1.000 zählen möchte und auch keine sechs Stunden vor der Halle ausharren kann, der trägt sich ab sofort in den kostenlosen o2 Musicflash Newsletter ein und bekommt schon eine Woche vor der Show einen Platz auf der Gästeliste! Wie´s genau geht steht auf www.o2music.de. (Kristina Budde, eldoradio*)

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