Konzertschau

Nada Surf | Rogue Wave - Köln, Live Music Hall
27. Februar 2008

Im Konzertjahr 2008 waren Highlights bisher wahrlich rar gesät, fast sämtliche gute Livebands befinden sich im Studio, auf Tour in Nordamerika oder machen ihren wohlverdienten Urlaub. Doch mit der Deutschland- Tour von Nada Surf, deren erste Station Köln ist, hat dieser Zustand nun ein Ende.

In der bis auf den letzten Platz gefüllten Live Music Hall machen Rogue Wave den Anfang. Rogue Wave sind in etwa Nada Surf in etwas harmloser und ruhiger - der perfekte Support in mancherlei Hinsicht also. Auch wenn sie das Publikum erwartungsgemäß nicht fesseln können, bieten sie eine sehr kompakte, homogene Show, deren Höhepunkt das erfrischende Neil Young Covers „Birds“ gegen Ende des 30-minütigen Sets ist.

Schon kurz nach neun betreten dann Nada Surf die Bühne. Die Erwartungen waren schon vor Beginn des Konzerts allerorten hoch, jetzt steigen sie ins Unermessliche. Gestartet wird mit zwei Klassikern, „Hi-Speed Soul“ und „Happy Kid“, aus ihrem wohl besten Album „Let Go“. Schon jetzt macht sich eine Erhabenheit in der Halle breit, die die Show noch über weite Teile des Abends begleiten sollte. Nada Surf haben sich extra für diese Tour einen Keyboarder in die Band geholt, was vielleicht im Vorfeld einige Bedenken hätte auslösen können. Aber auch mit seiner zurückhaltenden Unterstützung verlieren die Songs nichts von ihrer Anmut, ganz im Gegenteil; die Melancholie wird hierdurch manchmal sogar noch erhöht. Das erste Set konzentriert sich hauptsächlich auf Stücke aus dem oben erwähnten 2002er Album „Let Go“ und dem neuem Album „Lucky“. Besonders das wuchtige „Killian’s Red“ mit seinen ausufernden Gitarren und das berauschend- fragile „Paper Boats“ ziehen das Publikum in den Bann. Aber auch das neue Material kann sich live durchaus sehen lassen. „Weightless“ und „Whose Authority“ beispielsweise stehen älterem Material in Sachen Druck und Bühnenpräsenz in nichts nach. Einzig „See These Bones“, auf dem neuen Album eigentlich ganz klar der überragende Song, will live noch nicht so ganz gelingen. Er klingt zu dünn und wackelig, was aber nichts daran ändert, dass er ein würdiger Abschluss des regulären Sets ist.

Mal ganz davon abgesehen, dass so etwas sowieso in den meistens Fällen eingeplant ist, können Nada Surf gar nicht anders, als nach dem nun auftosenden Applaus noch einmal auf die Bühne zu kommen. Immer wieder wurden aus dem Publikum „Blizzard Of ’77“ und vor allem „Blonde On Blonde“ gefordert, die nun unter großer Begeisterung gespielt werden. Einen größeren Abschluss als „Blonde On Blonde“ hätte es vermutlich gar nicht gegeben, doch nun machen Nada Surf den kleinen Fehler, diesen bis hierhin perfekten Abend mit drei eher mittelmäßigen Songs aus dem für ihre Verhältnisse ebenso eher mittelmäßigen Album „The Weight Is A Gift“ plus einer sehr fragwürdigen Coverversion von Joy Divions „Love Will Tear Us Apart“ fortzusetzen. Die Stimmung ist zwar immer noch gut, aber die Erhabenheit ist eher der Stimmung einer großen Party gewichen, was natürlich nicht schlimm ist, aber das Gesamtbild etwas verzerrt.

Mit dem letzten Song des Konzerts hätten wohl die wenigsten gerechnet. Nada Surf spielen tatsächlich „Popular“, von vielen Fans der älteren Generation aufgrund der damaligen MTV-Präsenz eigentlich eher nicht so gern gesehen. Doch es darf nicht vergessen werden, dass „Popular“ damals viele Teenager zu „guter“ Musik führte, und über alle musikalischen Zweifel erhaben ist der Song sowieso. Nach fast zwei Stunden Spielzeit also ein schöner Abschluss eines über weite Strecken tollen Abends. (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*)

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