Konzertschau

Of Montreal | Max Tundra – Berlin, Lido
18. Oktober 2008

Nach vier hektischen und aufreibenden Tagen in Berlin zum Abschluss am letzten Tag also endlich mal nach einigen verpassten Gelegenheiten Of Montreal live sehen. Perfekt. Über die Auftritte der Gruppe ist schon viel geschrieben worden, die Erwartungen sind riesengroß. Als Support haben Of Montreal Max Tundra mitgebracht, bei dem nie richtig klar wird, ob er das, was er da vorne auf der Bühne veranstaltet, ernst meint, oder vielleicht doch nicht eher andere Musiker persifliert. Letztendlich sorgt er mit seiner hyperaktiven One-Man-Show, in der er sich mal als Prince, mal als x-beliebiger DJ aus einer Großraumdisco gibt, aber neben sehr vielen Lachern auch für richtig ausgelassene Stimmung. Denn musikalisch hat er es sowieso drauf, wenn er will.

Bei neun Alben in den letzten zwölf Jahren und unendlich vielen Liveauftritten könnte man leicht auf den Gedanken kommen, dass es der Truppe um Kevin Barnes so langsam zu viel werden könnte mit dem Musikerleben. Zum Glück eine Fehleinschätzung wie sich schnell herausstellt, als die Gruppe, von der man nie so genau weiß, wie viele Mitglieder sie eigentlich hat, wer gerade hinter den Masken steckt und wer wann welches Instrument spielt, die Bühne betritt. Voller Elan und begleitet von zwei goldenen Buddhas schicken sie sich an, Berlin für diese eine Nacht glücklich zu machen.

Während sich Band bei den ersten Songs noch als einheitliches Kollektiv auftritt, fokussiert sich die Aufmerksamkeit danach mehr und mehr auf Frontmann Kevin Barnes, der gleichzeitig die drei verschiedenen Musikfarben des Abends in seinem Auftreten perfekt widerspiegelt: Erstens den klassischen Indie-Rock, dem sich of Montreal hauptsächlich durch ihr letztjähriges Hits-Hits-Hits-Album „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“ angenähert haben. Zweitens die Punk- Attitüde aus ihren Anfangszeiten, die auf dem neuen Album „Skeletal Lamping“ eine kleine Wiedergeburt erfährt. Und drittens – und das ist es wahrscheinlich, was diesen Auftritt an erster Stelle ausgemacht hat – eine Sexyness, die man Barnes auf den ersten Blick kaum zutraut und die im Endeffekt tatsächlich vor allem seiner Stimme zu verdanken ist. Alles andere – Ausziehen bis auf die Unterhose, homoerotische Anspielungen – scheint nur eine Verstärkung dieses Effektes zu sein.

Bei der Setlist konzentrieren sich Of Montreal auf Songs aus den letzten drei bis vier Alben. Besonders gefeiert werden die Knaller aus „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“, durch das die Band ihre Fanbase schätzungsweise locker verdreifachen konnte. Und mal ehrlich: Es ist tatsächlich ziemlich eindeutig ihr bestes Album, ein Album, das sicherlich in vielen Bestenlisten wiederzufinden sein wird, wenn es in einem Jahr darum gehen wird, die besten Alben dieses Jahrzehnts zu finden. Egal ob „Heimdalsgate Like A Promethean Curse“, „She’s A Rejecter“oder „Labyrinthian Pomp”, keiner dieser berauschenden Popsongs fehlt. Natürlich begeistern auch Stücke aus den Alben davor, allen voran „Wraith Pinned to the Mist and Other Games“ – die ganz neuen müssen hingehen wohl noch etwas wachsen, um ähnliche Begeisterungsstürme hervorrufen zu können, zu unmelodiös, rau und unvollendet erscheinen sie im ersten Moment. Doch – und um das zu sagen, muss man kein Hellseher sein – auf der Tour im nächsten Jahr werden sie wahrscheinlich genau so gefeiert werden wie der Rest.

Daneben sind es unendlich viele Kleinigkeiten, die diese Nacht so speziell machen. Die grotesk- liebenswerten Tiermasken, all die Spielchen auf der Bühne, die verdammt coolen und lustigen Bandmitglieder. Und etwas Besseres als „A Sentence of Sorts in Kongsvinger“ und „Oslo In The Summertime“ als Zugabe nach zwei Stunden Spielzeit kann es eigentlich gar nicht geben. (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*)

Archiv aller Konzertberichte

radiobar