Konzertschau

Moneybrother / William White - Dortmund, LiveStation
18. Oktober 2005

"Es ist schön hier zu sein- Es ist schön unter Freunden zu sein." So begann Anders Wendin an diesem Abend sein Programm in der Dortmunder Live Station. Aber war das nicht ein wenig zu voreilig?

Zunächst eröffnete jedoch William White als Support Act den Abend für den sympathischen Schweden Moneybrother und verbreitete Freude und schaffte sich selbst neue Freunde, denn der in Barbados geborene White wusste mit seiner Band zu überzeugen. Selbst als die Akustik Gitarre des Wahlschweizers, der optisch schnell mit Lenny Kravitz verwechselt werden kann, aufgrund technischer Schwierigkeiten ausfiel, wusste der Frontmann, dass er sich auf seine Band The Emergency verlassen konnte. Die Schweizer präsentierten 30 Minuten lang ihre Reggae/Poprock-Stücke, die in einer angenehmen Art durch die soullastige Stimme William Whites dominiert wurden.

Aber der große Teil des Publikums (und das wusste auch William White) wartete auf Anders Wendin und seine Freunde, die sich dieses mal aus Teilen der Band The Panthers und den Clubkillers zusammensetzte. Moneybrother betraten die Bühne. Im Gepäck: ihre Balladen und Hits der vergangenen drei Alben.

"Tonight" war der ausgewählte Opener des Abends: Druckvoll, energiegeladen und Endorphin-versprühend wirkte die gesamte Band an diesem Abend von Beginn an. "Blow Him Back Into My Arms", die Single vom dritten Album "To Die Alone" folgte darauf und stellte in Rekordzeit unter Beweis, wie schnell man ein Publikum auf seine Seite ziehen kann! Die kraftvolle Stimme des Schweden wirkte auch beim anschließenden "Stormy Weather" großartig in der Dortmunder Live Station. Der Song wurde bis zum Maximum ausgereizt, so dass das Publikum diesen Song grandios abschließen konnte.

Aber Anders Wendin ist nicht nur der Rocker an der Gitarre, sondern auch "Mr.Romance", der Balladenbringer mit der romantische Attitüde - wenn man Gustav Bendt, seinem Mann am Saxophon, Glauben schenken darf. Und tatsächlich! Mit "It Ain´t Gonna Work", "Don´t Call The Police" und "Eventually It´ll Break Your Heart" waren auch die Paare des Abends gut versorgt.

Für die tanzwütigen Konzertbesucher war jedoch auch gesorgt: "The Pressure" zauberte kleine Schweißperlen auf die Stirnen des Publikums. Besonders Gustav, Mr. Entertainment pur, wusste an diesem Abend besonders Blicke auf sich zu ziehen. Der Rockabilly-Saxophonist mit der Götz Alsmann look-a-like Frisur versuchte bei jedem Gesangspart seinen Freund Moneybrother zu unterstützen. So auch bei "Our Last Night", der aus der Feder des Bassisten stammt. Ein Song, der doch sehr stark an eine Mischung aus Disco/Soul und The Clash erinnerte.

Aber es ist auch Vorsicht geboten bei Konzerten von Moneybrother, denn Anders Wendin kann auch ganz schnell von Mr. Romance zu Mr. Evil werden. Zumindest, wenn ein Plastikbecher auf einmal auf der Bühne landet... Aber auch wenn es schön ist, unter Freunden zu sein - bei dieser Vielzahl an rockigen Passagen kann das schon mal passieren.

Schon kurz darauf beschäftigt den Schweden aber wieder sein Thema Nummer Eins: verflossene Liebschaften! Und da am Liebsten natürlich Joanna! "I´m not Ready For It, Jo", "I May Not Always Love You" und "It´s Been Hurting All The Way With You Joanna" könnten wohl als Hymnen des Jammertal-Landes existieren. Tiefgreifenden Liebesschmerz in Perfektion!

Nach einem überzeugenden, "They´re Building Walls Around Us", aus dem aktuellen Album gab es begeisterter Abschluss-Applaus für eine begeisterte Band - aber dem Dortmunder Publikum fehlte noch der meistgespielte Song der Radiostationen in Schweden des Jahres 2003... Die Zugabe musste also folgen- und sie kam. Großartig performten die Schweden "Reconsider Me" und "My Lil´ Girls Straight From Heaven". Der zweite Abgang der Band von der Bühne erfolgte unter tosendem Applaus, nur Anders brachte sich erneut in Position, denn er wusste ja, dass es "schön hier ist" und er "unter Freunden". So spielte der Sympath zum Abschluss des Abends noch "Fisherman" - erneut charmant und wunderbar. Und so wurde seine Prophezeiung tatsächlich war: Noch mehr neue Freunde und begeisterte Fans blieben in der LiveStation überglücklich zurück. (Jens Füchtenhans, eldoradio*)

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