Konzertschau

Menomena | Modulator - Dortmund, FZW
2. Juli 2007

Im FZW in Dortmund kündigte sich eine bereits in der Vorstellung vielversprechende Premiere an. Die drei Art-Pop-Rocker Menomena aus Minneapolis, USA betraten heute (zumindest als Band)zum ersten Mal deutschen Boden. Obwohl sich der Himmel in langweiligem Grau gab, sollte es noch ein sehr farbenfroher Abend werden.

Die Rahmenbedingungen für einen tollen Einstand hätten durchaus besser sein können: gerade einmal 70 Seelen verirrten sich ins gemütliche FZW um außergewöhnlichen Klängen einer weitestgehend unbekannten Band zu lauschen. Kein Wunder, kann man Menomenas Debütalbum und den sperrigen Nachfolger doch lediglich als US-Import erstehen. Ihr jüngstes Werk und die wohl noch vielversprechendste Hoffnung auf den Mini-Durchbruch, „Friend and Foe“, ist bisher ausschließlich im Internet zu bestaunen. Dass man mit ihrer Art(engl.: Kunst)von Musik keine Arenen füllen kann, wissen sie mit Sicherheit selbst am Besten. Dass sie über jeden Zweifel erhaben ist, scheinen heute alle Anwesenden zu wissen. Was sie damit zu tun vermögen, ist die Herzen dieser auf den ersten Anlauf im Sturm zu nehmen.

Den Anfang jedoch machten am heutigen Abend Modulator. Später am Abend würde man sagen können, dass sie bei Menomena in die Schule gegangen sein könnten, dort aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur zu den Durchschnittsschülern gezählt worden wären. Man war sich nicht ganz sicher, ob nun dem keinesfalls optimal auf die musikalischen Ansprüche der Band eingestellten und auf eine Art immer unausgeglichenen Sound oder doch der Band und ihren Songs für diesen nur in spärlich gesähten Momenten überzeugenden Auftritt die Schuld zu zuweisen war. Fest steht aber, dass Modulator ihre Nervosität über die gesamte Spielzeit nicht ablegen konnten und scheinbar selbst mit sich und dem Gezeigten haderten. Ob nun ein Kopfschütteln der Drummerin oder ein verlegenes Lächeln der Sängerin, oder der nicht einmal erwähnte (und in der Folge den meisten wohl verborgen gebliebene) Bandname, irgendetwas machte dies ganz deutlich.

Als Menomena kurz darauf die kleine Bühne enterten war man sich ganz schnell ganz sicher, dass der Sound bei der Vorband wohl nicht der entscheidende Faktor war. Und dass heute Großes möglich sein würde. Schon mit den ersten Tönen, die Menomena, allen voran der wirbelnde Derwisch hinter dem Schlagzeug, einem mit größtmöglicher Anmut entgegenschleuderten, wurde man Zeuge eines in unzähligen Facetten schillernden Klangregenbogens. Dieser sollte im weiteren Verlauf noch einige weitere Farben offenbaren. Auch technisch war dies alles auf hohem technischen Niveau. So ausgeflippt und wild die Musik sich mitunter darstellte, sie lag niemals abseits der Ideallinie. Der auf Anhieb einnehmende, gefühlvolle Gesang, unterstrich neben dem munteren Instrument-Wechseldich die vielen Talente des Keyboarders und des Gitarristen. Ob Saxophon oder mit dem Fuß bediente Bassgrundtöne: Quantität war heute ausnahmsweise gleich Qualität. Zu etwa gleichen Teilen wechselten sich Songs des Debutalbums und Songs des kommenden Albums ab. Den vorläufigen Höhepunkt markierte „My My“ mit dem heute wohl breitesten Klangspektrum, bei dem auch dem letzten das Herz aufgegangen sein sollte.

Neben dem bewegungstechnisch nimmerruhigen Drummer wirkten seine zwei Mitstreiter hinter dem Keyboard und an der (Bass)Gitarre geradezu routiniert, nie aber reserviert. Sie wurden nicht müde den wenigen aber glücklichen Zuschauern für ihr Erscheinen zu danken. Und man glaubte ihnen. Das Wermutströpfchen der fehlenden Zugabe war schnell geschluckt verhinderte nicht, dass auch die Zuhörer in gewisser Weise dankbar nach Haus gingen. (Sven Riehle, eldoradio*)

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