Konzertschau

Malajube (Radiokonzert) - Dortmund, Bakuda Klub
6. August 2007

Bakuda Klub Dortmund, der Abend des 7. Augusts. Die kanadische Band Malajube hat die musikalische Exposition hinter sich gebracht. Julien Mineau, Sänger und Gitarrist, wendet sich an das Publikum und sagt irgendwas auf französisch. Wahrscheinlich ist es eine Art Begrüßung, vielleicht auch ein Witz. Außer ihm und seiner Band scheint das niemand genau verstanden zu haben. Mineau beeindruckt das wenig; er kennt sowas. „Does anyone here in the room speak French?“, fragt er jetzt und lächelt. Betretenes Schweigen. Niemand da, der „hier“ schreit oder die Hand hebt. Was natürlich immer noch heißen kann, dass die Frage keiner verstanden hat. Doch so schlimm ist Julien Mineaus Akzent nicht.

Malajube werfen Fragen auf. Zumindest hier, wo halt nicht viel französisch gesprochen wird, ist es ein Stück weit faszinierend zu sehen, wie eine Band es schafft, dem Publikum ihre Songs derart nahe zu bringen, obwohl eigentlich keiner so richtig weiß, wovon sie handeln. Aber nahe geht der Auftritt zweifellos. Denn Malajube machen ausgezeichnete Musik, und das eben auch an diesem Abend. Das Publikum wippt verhalten mit. Das ist so, wenn man nicht weiß, ob das Lied, das man gerade hört, von Liebe oder Hass handelt, aber trotzdem nicht anders kann, als sich dazu zu bewegen. Stürme der Begeisterung gibt es hinterher, wenn man die Zuhörer (die ausnahmlos Gästelistenplätze bei den CampusRadios NRW gewonnen haben) fragt, wie ihnen der Auftritt gefallen hat.

Die Songs von Malajube sind komplex, aber nicht anstrengend, und in ihnen steckt unglaublich viel Energie. Julien Mineau sieht trotzdem die ganze Zeit gelassen aus. Dabei werkelt er auf der Bühne mit einer ganzen Batterie von Fußschalten herum, von denen nur ein einziger zum Stimmen der Gitarre gedacht ist. Alle anderen mischen irgendwelche Effekte dazu. Bassist Mathieu Cournoyer spielt ohne Monitor. Nicht, dass er das immer so machen würde. Nur haben ihm die Tontechniker vor dem Auftritt gesagt, dass es dieses Mal nicht anders geht. Nicht gesagt haben sie, dass Julien Mineau ins Mikrofon schreien muss, damit die Abmischung die Songs nicht zu reinen Instrumentalstücken degradiert. Er merkt es von selbst und schreit einfach. Und es klingt trotzdem richtig gut.

Im Bakuda Klub ist es eng mit den rund 150 Leuten, die an diesem Abend bei dem exklusiven Konzert der Campusradios NRW dabei sein dürfen. Das erzeugt Temperaturen von gefühlten 30 Grad, die auf der Bühne im gleißenden Scheinwerferlicht noch einmal um einiges höher sein dürften. Malajube treten mit Pudelmützen auf und halten es auch nicht für nötig, ihre Kopfbedeckung abzunehmen. Schließlich gibt es ja Handtücher zum Abtrocknen. Inmitten der Bühne steht ein mysteriöser weißer Koffer, den keiner der Band während des gesamten Konzerts auch nur ein einziges Mal anrührt. Wie Cournoyer später im Gespräch verrät, ist er „für die Fußschalter, die Saiten und die Drogen“.

Als das Konzert vorbei ist, geht das Licht an. Die Keyboardständer werden zusammengeklappt, die Fußschalter wandern in den weißen Koffer zurück, zu den Saiten und den Drogen. Julien Mineau wischt sich ein letztes Mal mit dem Handtuch die Stirn trocken. Ein Mädchen aus der ersten Reihe geht zu ihm hin und fragt ihn, ob sie das Handtuch behalten darf. Mineau hat keine Bedenken, vielleicht auch deswegen, weil er nie davon gehört hat, wie Mädchen auf Michael-Jackson-Konzerten ohnmächtig geworden sind, weil sie Jacksons Kleidung aufgefangen haben. Ganz so große Verehrer haben Malajube in der Tat vermutlich noch nicht, Fans aber eine ganze Menge. Und nach diesem Auftritt eine ganze Menge mehr. (Stephan Kleiber, eldoradio*)

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