Konzertschau

Kristopher Aström - Schorndorf, Manufaktur
12. April 2006

Kristopher Aström - Schweden mal leise

Wenn momentan jemand von Popmusik aus Schweden spricht, dann denke ich automatisch an Bands wie Mando Diao, The Hives oder auch die Hellacopters. Alle schön schnell und schön laut. Doch die Schweden können auch anders. Nämlich leise, nachdenklich und melancholisch. Einer kann das ganz besonders gut - Kristofer Aström

Am 12. April hat Kristofer Aström in der Manufaktur Schorndorf gezeigt, dass ein guter Musiker keine ganze Wagenladung an Equipment braucht um ein wirklich gutes Konzert zu spielen. Ihm reicht seine Stimme und wahlweise eine Akustik- oder E-Gitarre.

Hört man nur Kristofers Stimme, so stellt man sich einen richtigen Bär vor. Die dunkle, weiche und wunderbar volle Stimme lässt auf einen großen Mann mit breiten Schultern schließen. Falsch, ganz falsch. Kristofer Aström ist klein, schmal und blond. Wenn man ihn sieht, möchte man ihn am liebsten in eine Decke wickeln, ihm einen Tee kochen und etwas zu essen geben. Auch wenn man sonst eigentlich nicht so der Muttertyp ist.

Doch als er dann auf der Bühne der Manufaktur steht und nur mit einer Gitarre bewaffnet anfängt die ersten Takte zu singen, sind alle Muttergefühle plötzlich wie weggeblasen. Sie müssen tiefer Bewunderung weichen. Kristofer beginnt das Konzert mit dem wunderbaren „Me and the Snakes“. Seine Stimme gibt einem das Gefühl, als würde man die im Song beschriebenen Gefühle selbst erleben. Und das zieht sich durch den ganzen Abend. Er singt hauptsächlich von Liebe, Schmerz, Verlust, Tod und Verunsicherung. Kristofer braucht nicht viel, um das Publikum mitzureißen. Keine Drums, kein Bass, keine Effekte. Die Songs schaffen das ganz alleine und er füllt die Manufaktur mit seiner Stimme so vollkommen aus, dass alles andere auch überflüssig wäre. Er stellt deutlich seine Musik und vor allem seine Stimme in den Vordergrund, nimmt sich als Person ganz zurück. Die seltenen Ansagen zwischen den Stücken wirken sympathisch, aber distanziert. Es geht wirklich nur um die Songs. Die meisten singt Kristofer Aström allein, nur bei ein paar kommt Britta Persson, die auch als Opening-Act gespielt hat, auf die Bühne und begleitet ihn mit ihrer mädchenhaften Stimme. Das Publikum lauscht andächtig, genießt Melodien und Texte. Zeitweise ist es so still, dass alle zusammenzucken, wenn eine Bierflasche umfällt. Geredet wird nicht, höchstens geflüstert.

Fazit: Ein wunderbarer Abend, der super zum grauen Wetter gepasst hat. Denn die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird, besteht.

Im Mai wird Kristofers neue EP, Black Velley, in Skandinavien veröffentlicht, dann eventuell auch in Deutschland. Es ist die dritte der Trilogie, in der Kristofer Aström versucht hat Musik und Kunst zu verbinden. Im Booklet von Black Valley sind Bilder seines Großvaters zu sehen. In den vier Songs hat er sich auf vier verschiedene Arten mit dem Thema Tod auseinander gesetzt. Noch dieses Jahr will Kristofer mit seiner alten Band Fireside ins Studio und ein neues Album aufnehmen, das nächstes Jahr erscheinen soll. Und vielleicht dürfen wir ihn dann ja auch wieder in Deutschland begrüßen, mit Band und neuen Songs im Gepäck.

(Katharina Kurz, HoRadS)

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