Konzertschau

King Khan And His Sensational Shrines - Dortmund, FZW
13. September 2004

„My kingdom, my kingdom is lost inside my mind […] My kingdom, my kingdom is what shall set me free“, heißt es im Opener „Destroyer“ und das Publikum in einem für einen Montag-Abend ansehnlich gefüllten FZW in Dortmund verfolgt wohlwollend die ersten Schritte eines Pickelhauben(!)-tragenden Inders mit
Voodoo-Zeremonienstab - willkommen in der schönen bunten Welt von King Kahn & His Sensational Shrines. James Bond’s ’Fillet of Soul’ läßt grüßen!

Nach zwei Veröffentlichung in den Untiefen des Indie-Sumpfes erschien Anfang diesen Sommers das neue King Khan-Album „Mr. Supernatural“ auf Hazelwood Records, dem Frankfurter Label welches sich in der jüngeren Vergangenheit mit so bizarren wiewohl vielseitigen Acts a la Mardi Grass.BB, Superpreachers oder Kool Ade Acid Test bereits einen Namen für zeitgemäße
Soundperlen machte. Durchaus vergleichbar mit den Mighty Imperials (USA) oder den Poets Of Rhythm (Ger) geht es bei King Kahn musikalisch allerdings eher retrospektiv zu. Sly & The Family Stone und King Curtis stehen Pate.

Drei, vier Songs weiter abwärts auf der Setlist geben King Kahn & Co dem Volk mittlerweile ordentlich Zucker und peitschen mit dreiköpfigen Bläsersätzen und einer schweißtreibenden Schweineorgel mächtig ein. Die erste Reihe ergeht sich nun auch endlich in den schier unmöglichsten Formen des postmodernen Ausdruckstanzes, atmet die beatgeschwängerte Luft des
Freizeitzentrums. Ein paar Unverbesserliche verfolgen währenddessen andächtig wie vom Blitz getroffen und mit großen Kinderaugen das bunte Treiben auf der Bühne. Hierzu haben sie allerdings auch ordentlich Grund, denn Frontmann King Khan wird nun auch noch von einer kurzberockten Schönheit begleitet. Der Info entnehmen wir wissbegierig, dass es sich hierbei um die GoGo-Tänzerin Bamboorella handelt. Sie wird zum Ende des Gigs
noch für einen Ausrufezeichen der besonderen Art sorgen.

„I’m a bad Motherfucker“, erklärt King Khan und präsentiert zur Entspannung mal eine kleine ’Soul Serenade’: „On A Brass Bed (In Paradise)“. Angesichts der teilweise feuchtschwülen Angelegenheit mag man seinen Ohren kaum glauben als Gitarrist und Band-Spokesman ’Mr. Speedfinger’ später am Rande des
Merchandise-Standes vollmundig behauptet das der Gig an diesem Abend bestenfalls 80 Prozent des Machbaren gewesen wäre. (Falls es jemanden interessiert- der Lautstärkeregler meines Verstärkers geht übrigens bis 11.) Bei tiefsinnigerer Betrachtung komme ich allerdings zu dem Schluß, dass man
an jedem anderen Abend der King Kahn-Revue zusätzlich zu den
Gymnastikeinlagen von King Kahn und Mr. Speedfinger auch noch eine olympiareife Showeinlage von Percussionist Rhan Streeter (seines Zeichens Ex-Bandmitglied von Curtis Mayfield; A.d.A.) oder eine Tierdressurnummer mit dem blondbraunen Löwen am Schlagzeug bekommt könnte...

Bis dahin möge die zärtliche Auseinandersetzung zwischen Bamboorella und King Khan ihr Übriges tun: Frei nach T.M. Stevens („Spank me before you yank my chains!“) werden wir nicht nur Zeuge wie Bamboorella erst ein paar schicke Lederstiefel überstreift um dann King Kahn mit dem Mikrofonkabel
liebevoll den Allerwertesten zu ’versohlen’ sondern auch wie sich der Geschändigte eindrucksvoll revangiert. In einem bedeutungsschwangeren Finale erschlägt King Khan schließlich Bamboorella mit seinem totenköpfigen Zeremonienstab, zeitgleich zum allerletzten Akkord... „So it goes!“

Felix Grimm, CT das Radio

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