Konzertschau

Kettcar - Dortmund, FZW
5. Februar 2005

„Das ist ja hier wie auf ´nem fucking Kirchentag!“ – Marcus Wiebusch ist sichtlich irritiert, als das ausverkaufte FZW an diesem Abend von Beginn an unter Beweis stellt, dass sämtliche Songs brav auswendig gelernt wurden. Kein Wunder, die Fans heißhungern regelrecht auf frische Songs vom neuen Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ . Und derer durfte man sich dank einer zwischen neu und alt chargierenden 40/60 Mischung gewahr werden.

„Balu“ und „48 Stunden“ heißen sie, oder auch „Handyfeuerzeug gratis dazu“. Titel wie Plakate. Aber jene mit subversivem Inhalt. Eher besonnen und nachdenklich, dennoch mit der Kettcar-typischen Melodieführung und vollgestopft mit Parolen für Millionen. Irgendwie klappt´s halt immer bei den Norddeutschen. Und das scheinen sie selbst auch längst zu wissen.

Genau wie das spartanische Akustik-Bühnenset nur mit Reimer und Marcus ein Mehr an Intimität und einfordernder Behaglichkeit ermöglicht. Ganz nah dran am Gefühl. Ganz nah dran am Echten. Davon haben Kettcar ja immer genug in den Saiten und so wird zu sensiblen Gitarrenklängen gelitten, aufgemuntert und kritisiert. Der Fanchor sorgt derweil im Solo für Standing Ovations der Nackenhaare.

So viele Befindlichkeiten bekommen einen mit einem gut aufgelegten Marcus einen Kontrastpunkt gesetzt. Da wird auf der Bühne mal munter gescherzt, mal der Dialog mit den Fans in der ersten Reihe gesucht „Wie, du hast das Album? Runtergeladen? Journalist? – immer diese scheiß Jour..., äh super Medienpartner!“, um hinterher wieder nahtlos auf die Hamburg-Melancholie von Songs wie „Landungsbrücken raus“ umzuschalten. Es sind dann aber doch die Hits von „Du und wie viel von deinen Freunden“, die diesen Abend die Hitze im überfüllten FZW anstauen lassen. „Ausgetrunken“, „Money Left To Burn“ oder „Ich danke der Academy“ verbreiten ein Gefühl der Einigkeit, geht es hier doch um die Kardinalsthemen der Welt. Der Welt jedes einzelnen - vermutlich das überbordende Erfolgrezept der ehemaligen „But Alive“-Mitglieder.

Nach gut einer mehr als überzeugenden und sympathischen Stunde verabschieden sich die beiden in den aufbrausenden Beifall - schließlich sind sie ja nur die Vorband. Die anschließende Party mit den Grand Hotel Van Cleef-DJs sorgt darauf weiterhin für schweißnasse Achselhöhlen, bevor die Nacht die zufrieden Lächelnden mit eisiger Kälte empfängt. So etwas nennt man wohl Kontrastprogramm. (Markus Wiludda, eldoradio*)

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