Konzertschau

José González - Dortmund, Konzerthaus
13. März 2009

Es war gut! - Mehr braucht man manchmal nicht zu sagen.

Musikjournalistische Texte strotzen sonst oftmals gerade nur so vor Superlativen. Orchestral soll ein „Ein-Mann-Konzert“ sein, atmosphärisch sobald Synthies eingesetzt werden oder auch opulent bei einem Mundharmonikaspieler... Manchmal reicht es auch einfach zu sagen: ES WAR GUT!

Am 13.03.2009, ein Freitag, könnte man alle drei Begriffe verwenden. Aber minimalistisch, toll und trotzdem komisch treffen es am besten.

Der Schwede José González war im Dortmunder Konzerthaus zu Gast. Pur sollte es sein. Ein Mann und seine Gitarre. Das Konzept wurde bereits beim Supporter umgesetzt. finn., ein guter Mann der seinen Wohnsitz in Hamburg und in London hat, stand um 21 Uhr pünktlich auf der Bühne. Da stand Finn nu. Mit schwarzer Leggins, schwarzem Oberteil mit „Puffschultern“ , weißen Strichen unter seinen Augen und seiner Prinz Einsenherz-Gedächtnis-Frisur in blond.

Ebenfalls ein Songwriter nur mit einer Akustikgitarre, allerdings mit drei Mikrophonen. So opulent seine Mikrophonauswahl auch war, an dem eintönigen Rhythmus seiner Songs hat es nichts verbessert. Seine zerbrechliche Stimme ging im Konzerthaus fast unter und als die Pausen zwischen seinen Songs zu kurz wurden, war auch die Konzentration des Publikums flöten. finn. bekam davon aber wohl eher kaum was mit. Denn während seines Auftritts hielt er stetig die Augen geschlossen. Leider kein guter Einstieg für ein Konzert.

Umso größer war die Freude, dass José González nach Finn nicht lange auf sich warten lies. Dunkel war es als Herr González auf das kleine Podest stieg. Mit der Gitarre in der Hand ging es gleich los. Atmosphärisch sollte es werden. Der ganze Saal fast im Dunkeln, nur ein einzelner Scheinwerfer auf José González gerichtet. Nach dreißig Sekunden eindrucksvoller Saitenakrobatik war die schöne, entspannende Stimmung leider wieder passé. Im ganzen Saal ging auf einmal das Licht an und alles war entzaubert. Nach einigen Minuten wurde es wieder dunklen. Aber der Anfangszauber war vorbei. Die Konzentration des Publikums auf einen Schlag weg. „Heartbeat“, „Kill for Love“ und „Crosses“ konnten genauso wenige diese wieder aufbauen wie auch Cover von „Massive Attack“ (Teardrop) oder „Joy Division“ (Love Will Tear Us Apart), so virtuos sie auch gespielt wurden. Die immer wieder kleineren Schnitzer bei der Lichtshow sorgten gerade bei den Zuschauern, die José González das erste Mal gesehen haben, für Konzentrationsaussetzer.

Für diejenigen, die sich aber wieder auf den Mann mit der Gitarre einlassen konnten, wurde ein wunderschöner Abend. Immer wieder erwischt man sich, wie der offene Mund die unglaubliche Spielweise von José González kommentiert. Gänsehaut bekommt man, wenn man seine Lieblingssongs seiner beiden Alben „Veneer“ und „In Our Nature“ hört.

Vielen Bands gelingt nicht das, was Herrn González scheinbar mit aller Leichtigkeit schafft; Seine Songs klingen live noch besser als auf seinen Alben. Vielleicht liegt es an den minimalistischen Aufnahmen seiner Platte, aber noch viel eher liegt es an dem Gefühl was José González mit seiner Gitarre einem Live-Publikum geben kann. Schade wenn dieses Gefühl durch kleinere Pannen nicht jedem Gast an diesem Abend gegönnt war.

Trotz der ganzen Pannen kann der José González Fan nicht anders als sagen: Es war gut. Denn anders als die "ich-bin-nur-mal-neugierig“ Konzertbesucher weiß der ausgewiesene Fan, dass es einfach eine Kunst an sich ist, neben den ganzen Pannen ein tolles, wohliges Gefühl in den Menschen hervor zu rufen. Und das kann José González so gut wie kaum ein anderer. Wenn man zufrieden, voller Glück im Herzen nach Hause geht, war es ein schöner Abend. Mehr braucht man manchmal nicht sagen!
(Tim Scheidereit, eldoradio*)

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