Konzertschau

Johnossi - Bochum, Zeche
13. April 2008

Johnossi werden größer. Man merkt es am Publikum. Während beim letzten Campusradiokonzert im Riff die beiden Schweden noch als Geheimtipp gehandelt wurden, stehen hier in der Zeche nun unter anderem schreiende Mädchen und jung gebliebene Mittfünfziger im Publikum. Dank ihrer eingängigen Musik erreichen John an der verzerrten Akustik-Gitarre und Ossi am Schlagzeug jetzt auch ein größeres Publikum.

Der Abend beginnt mit Sibling Sense, die mit ihren sphärischen Stücken nicht unbedingt das erwartete musikalische Niveau erreichen. Die dreiköpfige Besetzung, Gesang/Gitarre, Klavier/Gitarre und Schlagzeug, tritt mit wenigen Worten an das Publikum heran und spielt eine Musik, die teilweise an einsame Landschaften erinnert. Der Sänger erweckt eher den Eindruck, als ob er Musik lieber in einem Zimmer erdenkt, als sie vor einem Publikum live zu präsentieren. „Do you know a band called: Johnossi?“ fragt er noch bevor er die Bühne verlässt. Und erhält mäßige Resonanz aus dem Publikum. „We grew up in the same neighbourhood…they are cool guys“.

Johnossi zeigen dann, dass sie auch wirklich die abgeklärten Typen sind, und betreten ohne ein Grußwort die Bühne. Sie beginnen mit „Party With My Pain“, der Nummer, die die meisten Leute aus dem Publikum vom neuen Album kennen sollten. John am Gesang klingt etwas heiser, fängt sich aber in den ersten paar Takten und regt das Publikum an, ihn bei den folgenden Stücken zu unterstützen. Eine kleine Gruppe von begeisterten Fans drängt nach vorne, doch die meisten nicken nur lächelnd zu der mitreißenden Nummer mit dem Kopf.

John, der an seiner Gitarre als einziger für Bewegung auf der Bühne sorgen kann, tut dies auch und landet mit energiereichen Sprüngen kurz vor der ersten Reihe der Konzertbesucherinnen, die ihn dort mit lauten Rufen und hochgereckten Armen empfangen. Zwischenrufe aus dem Publikum in Richtung Ossi, der sich am Schlagzeug merklich verausgabt, werden von ihm mit einem scherzhaften „Shut up!“ beantwortet. Ansonsten bleibt er still und spielt ein solides Set, auch und gerade mit Songs aus dem neuen Album der Band. „All I Ever Wanted“ heißt es und ist nicht ganz so eingängig wie das vielgefeierte Debüt. Komplexere Gitarrenläufe und vertracktere Drumparts machen es jedoch zu einer sehr interessanten Platte, die auf jeden Fall live-tauglich ist.

Das Publikum ist zufrieden, und vor der Bühne hat sich jetzt eine schubsende und springende Masse zusammengefunden. John lächelt und kündigt das nächste Lied mit „This is our disco song!“ an. Es ist der „Train Song“, der live sehr überzeugend rüberkommt. Vom Publikum werden jedoch nur die älteren Stücke wirklich frenetisch gefeiert. Mit „Man Must Dance“ und dem „Execution Song“ haben die beiden Schweden jedoch einige dieser tanzflächenfüllenden Hits im Gepäck. Atmosphäre kommt bei dem pathetischen „There’s A Lot Of Things To Do Before You Die“ auf, das bei blauem Licht und Nebelmaschine die Leute kraftvoll zum Mitsingen und Nachdenken anregt.

Als John und Ossi nach knapp einer Stunde die Bühne verlassen und der Applaus in einer übersteuerten Gitarre untergeht, schauen einige verwundert auf die Uhr. Zugaben gibt’s dann trotzdem. Das emotionsgeladene „Family Values“, bei dem John zunächst allein auf der Bühne erscheint, verfolgen einige mit geschlossenen Augen. Danach zeigen die beiden noch mal an zwei ihrer Songs, wie man auch mit Minimalbesetzung kräftig rockt. Es folgen: Applaus, Zugabe-Rufe, zwei begeisterte Fans, die von der Bühne aus versuchen das Publikum zu animieren, und deren mehr oder weniger freiwilliger Abgang von der Bühne. Nur kein Johnossi, die an diesem Abend eine starke, aber kurze Rockshow abgeliefert haben. (Matthias Feltmann, eldoradio*)

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